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Warum ist Tschernobyl explodiert? – einfache Erklärung

Die Atomkatastrophe von Tschernobyl war ein einschlägiges Ereignis im 20. Jahrhundert. Dabei kam es zum bis dato schwersten Unfall in einem Atomkraftwerk.

Ursachen und Probleme

Gründe für den Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl waren unzureichende Sicherheitskontrollen, gravierende organisatorische Mängel und Mängel in der Bauweise. Leider zeigte sich bei der Rekonstruktion der Abläufe, dass die Reaktormannschaft grobfahrlässige Bedienfehler tätigte und somit auch menschliches Versagen ein großer Risikofaktor war.

Die Öffentlichkeit wurde nur verzögert über das Ausmaß der Katastrophe informiert. Das führte dazu, dass Personal und Bevölkerung nur langsam evakuiert wurden und so eine unnötig hohe Strahlendosis erhalten haben.

Ablauf

In Block 4 des Atomreaktors sollte 1986 eine Versuchsreihe gestartet werden. Grundsätzlich diente der Test der Überprüfung der Sicherheitsstandards. Es wurde ein Stromausfall simuliert, um zu sehen, ob die Turbine genügend eigene Energie produziert, um die Zeit bis zum Inkraftsetzen der Notstromaggregate zu überbrücken. Dafür war es notwendig, dass das Notkühlsystem ausgeschaltet wurde.
Der erste Test verlief nicht vielversprechend und musste abgebrochen werden. Erst gegen 23 Uhr wurde die Versuchsreihe fortgesetzt. Das Notkühlsystem war die ganze Zeit über weiterhin ausgeschaltet.

Als der Versuch erneut gestartet wurde, wurde der Reaktor heruntergefahren. Ziel war eine Absenkung auf nur ein Viertel seiner ursprünglichen Leistung. Auch dieser Versuch lief nicht planmäßig. Die Leistung des Reaktors sank auf unter ein Prozent. Die Techniker machten sich daran, die Regelstäbe aus dem Reaktorkern herauszuziehen, um die Leistung des Reaktors wieder zu steigern. Allerdings erreichten sie nur eine Leistung von sieben Prozent. Auch wenn die Leistung noch immer zu niedrig war, startete die Reaktormannschaft ihre eigentliche Testreihe. Die Wasserzufuhr wurde durch das Schließen der Sicherheitsventile verringert. Ab da begann die Leistung des Reaktors anzusteigen. Die automatische Schnellabschaltung, die in einem solchen Fall eingreifen sollte, war für die Versuchsreihe ausgeschaltet worden. Innerhalb kürzester Zeit stieg die Leistung so stark an, dass eine manuelle Notfallabschaltung nichts mehr ausrichten konnte.
Der Versuch, die Regelstäbe wieder zurück in den Reaktorkern zu fahren, um den Reaktor unter Kontrolle zu bringen, misslang, da sich die Stäbe aufgrund der hohen Temperaturen massiv verformt hatten. Das aufgeheizte Wasser im Reaktor fing an zu verdampfen und erzeugte einen enormen Druck. Folge waren mehrere Explosionen, da der Reaktordeckel dem Druck nicht mehr standhalten konnte. Bereits bei der ersten Explosion wurden der Reaktor und das Gebäude teilweise zerstört. Anschließend kam es zu einem Brand, da der Grafitmantel Feuer fing.

Löscharbeiten und Eindämmung der Gefahrenquelle

Die Löscharbeiten gestalteten sich aufgrund der stetig austretenden hohen Strahlendosis als schwierig. Feuerwehr und Armee versuchten mit Wasser und dem Abwurf von insgesamt 5000 Tonnen Borsalz, Blei, Lehm und Sand die Freisetzung der Schadstoffe zu verhindern. Dies brachte jedoch nur mäßig Erfolg. Erst die Einspeisung von Stickstoff in den Reaktor, um diesen zu kühlen, dämmte den Brand ein.

In den folgenden Monaten wurde ein Sarkophag aus Beton gebaut, der den Reaktor abdeckte, um zu verhindert, dass die radioaktive Strahlung nicht mehr austreten kann.

Folgen

Durch die Explosionen und dem anschließenden Brand wurden Unmengen von radioaktiven Stoffen in die Luft geschleudert und gelangten aufgrund der Windverhältnisse sogar bis Nordeuropa.
Aufgrund der Besonderheit des Reaktors dauerten die Löscharbeiten zu lange an. Dementsprechend konnte die Strahlung über einen langen Zeitraum ungehindert austreten. Das und die nur unzureichende Schutzausrüstung, mit der Feuerwehr und Armee ausgestattet waren, führten zu unzähligen Todesfällen und Krebserkrankungen. Noch heute sind die genauen Zahlen unbekannt.

Tschernobyl heute

Um den zerstörten Reaktor herum besteht noch heute eine knapp 4000 Quadratkilometer große Sperrzone. Im Jahr 2015 wurde der Reaktor mit einem zweiten Sarkophag umhüllt, da der erste bereits einige Jahre nach der Errichtung erhebliche Schäden und Mängel aufwies.
Die 50.000 Einwohner der Stadt Prypjat, die sich in unmittelbarer Nähe des Reaktors befindet, wurden nach dem Unglück evakuiert. Prypjat wurde zu einer unbewohnbaren Geisterstadt. Doch davon lassen sich Touristen nicht abhalten. Der verlassene Ort übt, auch ausgelöst durch Dokumentationen, Filme und Serien eine große Faszination auf viele Menschen aus. Es werden viele geführte Touren durch die verlassene Stadt Prypjat und zum Sarkophag des Reaktors angeboten. Mittlerweile wurde am Rand des Sperrgebietes sogar ein Hostel errichtet. Für gerade einmal sieben Euro pro Nacht können Touristen direkt in der sogenannten Zone übernachten.

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