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Warum waren Märkte im Mittelalter wichtiger als heute? – Aufklärung

Warum waren Märkte im Mittelalter wichtiger als heute

Die klassischen Wochenmärkte, die den Bürger mit allen wichtigen Lebensmitteln und anderen alltäglichen Gegenständen versorgte, verschwinden immer mehr von der Bildfläche. Nur noch in kleinen Gemeinden findet man sich an einem bestimmten Wochentag ein, um Ware von reisenden Händlern aus der Umgebung zu erwerben. Dies war einmal anders, denn besonders im Mittelalter hatten Märkte einen enorm wichtigen Stellenwert. Aber wieso waren die Märkte im Mittelalter von so großer Bedeutung?

Märkte waren nicht nur Umschlagplatz für Waren

Schon im frühsten Mittelalter war der regelmäßig stattfindende Markt ein wichtiges Ereignis im Alltag der Bürger. Besonders als die Menschen noch in kleinen Siedlungen, nicht in gut organisierten Städten lebten, war es wichtig, andere Waren als die eigens angebauten Lebensmittel und selbst produzierten Dinge zu handeln. Zu den Märkten kamen Handelsreisende aus anderen Gegenden und boten ihre Waren feil, die man in den eigenen Siedlungen aus Mangel an Rohstoffen nicht herstellen konnte. Auch war es möglich, Lebensmittel zu erwerben, die man in der eigenen Region nicht anbauen konnte.
Menschen war es im Mittelalter durch den Markt möglich, sich mit verschiedensten Lebensmitteln und anderen Waren zu versorgen und so eine halbwegs ausgewogene Lebensweise erleben zu können. Zunächst wurden auf den mittelalterlichen Märkten unterschiedliche Waren feilgeboten, später jedoch fanden spezielle Märkte statt, so zum Beispiel Fischmärkte oder Gänsemärkte, Heumärkte oder weitere Fachmärkte.

Obwohl der Handel unterschiedlicher Waren für die Bewohner einer Siedlung ein wichtiges Ereignis in ihrem oft tristen Alltag war, erfüllte der Markt noch eine weitere Funktion. Auf dem regelmäßig stattfindenden Markt kamen die Menschen aller Schichten zusammen. Der Marktplatz füllte sich mit Leben, von einfachen Bauern über Mägde aus den feinen Häusern bis hin zu den gut situierten Adligen selbst kamen alle Bewohner einer Siedlung zusammen. Da es zu jener Zeit noch kaum eine andere Möglichkeit gab, wichtige Neuigkeiten aus der eigenen, aber auch aus anderen Siedlungen zu erfahren, war der Marktplätz nicht nur Umschlagplatz für Waren, sondern auch ein Ort, an dem die Bewohner miteinander kommunizierten. Neuigkeiten verbreiteten sich sehr schnell, während man die Waren feilbot oder selbst die unterschiedlichen Angebote prüfte. Wichtige Nachrichten verbreiteten sich auf den Märkten schnell und wurden so oft zum Gesprächsthema des Tages. Ähnlich wie heute auch noch.

Austausch mit anderen Kulturen

Im späteren Mittelalter, als weitere Handelsrouten erschlossen wurden, waren die Marktplätze auch ein Ort, an dem man erstmals Menschen au anderen Kulturen kennenlernen konnte. Nicht nur war es so für viele Menschen möglich, erstmals fremde Sprachen zu hören und diese kennenzulernen, auch war dies für die meisten Bewohner des Mittelalters das erste Mal, dass sie überhaupt Kontakt zu Menschen aus anderen Kulturen hatten. Die gesellschaftliche Entwicklung wurde durch den vielfältigen Markt des späten Mittelalters also erheblich beeinflusst und trug zu einem Verständnis für die Weltbevölkerung bei. Durch den Handel mit Reisenden aus anderen Kulturen, die Waren aus fernen Ländern anboten, wurde der Markt in den Gemeinden belebt und neue Kreationen mit heimischen und fremdländischen Waren konnten nun möglich sein.

Gab es Regeln auf den Marktplätzen?

Das Treiben auf den mittelalterlichen Märkten war ein buntes Treiben, dass nahezu alle Bewohner der Siedlungen aus den Häusern holte. Dennoch war das bunte Treiben auf den mittelalterlichen Marktplätzen kein ungeordnetes Chaos, denn die Märkte unterlagen der strengen Aufsicht der Adligen. Oft waren es die Könige selbst, die das Treiben auf den Märkten beaufsichtigten. Manchmal gab es auch Grafen, Herzoge oder hochgestellte Geistliche, die für Ordnung auf dem Marktplätzen sorgten. Später wurden spezielle Marktvögte ernannt, deren Aufgaben sich rund um das Marktgeschehen drehten. Dazu gehörte nicht nur die Erteilung von Markterlaubnissen, die den Handel mit Waren erlaubten, sondern auch die Aufsicht des Handels, der auf dem heimischen Marktplatz stattfand. Auch mussten die Händler häufig einen Obolus an den Marktvogt zahlen, der dann in die Kassen der Gemeinde gelangte.

Märkte waren im Mittelalter viel mehr als nur Verkaufsstelle für Waren

Als es noch keine Supermärkte gab, auch die Zeitung oder gar das TV den Bürger mit wichtigen Informationen aus aller Welt versorgte, war der Markt die wichtigste Anlaufstelle für alle, die Waren benötigten oder auch für die, die „nur“ etwas Neues erfahren wollten. Der regelmäßige Markt versorgte die Menschen im Mittelalter mit Waren, die man selbst nicht erzeugen konnte und ermöglichte so, seinen Lebensstil neu und vielseitig zu gestalten. Außerdem war es möglich, auf den Märkten einen Austausch der Kulturen zu erleben und so seinen Horizont zu erweitern.

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