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Warum waren Zöllner in der Bibel so unbeliebt? – Aufklärung

Warum waren Zöllner in der Bibel so unbeliebt

Schon in der Zeit des Alten Testaments genossen die Zöllner einen denkbar schlechten Ruf. Sie waren dafür verantwortlich Zölle und Steuern einzutreiben, die an die Herrscher abgeführt werden mussten. Besonders in Notzeiten und Jahren mit schlechten Ernten erwiesen sich diese Steuern als schwer tragbar für die Bevölkerung, was den Grundstein für den schlechten Ruf der Zöllner legte.

Abgaben wurden oft zu hoch bemessen

Schon immer war es ein Ärgernis für die jüdische Bevölkerung, Steuern an die römischen Machthaber abführen zu müssen. Doch über die Tatsache hinaus, dass Steuern erhoben wurden, kam noch ein weiterer, erschwerender Faktor hinzu. Die Zöllner ernannten häufig auch Beauftragte, die ihnen dabei halfen, das Geld für die Steuern einzutreiben. Daraus ergab sich jedoch ein recht korruptes System.

Wer das Recht hatte, Zölle und Steuern einzutreiben, musste dieses oft sehr teuer erwerben. Dadurch ergab sich natürlich die Notwendigkeit, das Geld, das in das Erlangen des Postens investiert wurde, auf irgendeine Weise wieder zurückzugewinnen. Viele Zöllner bestimmten die Höhe der Steuern daher willkürlich und dem Volk wurden wesentlich höhere Abgaben abverlangt, als es das Gesetz eigentlich vorschrieb. Solche Vorgehensweisen sorgten natürlich schnell dafür, dass Zöllner im Volk verhasst waren.

Zöllner – Ein Schimpfwort im Altertum

Es war im Altertum aus diesen Gründen nicht ungewöhnlich, dass der Begriff Zöllner als Schimpfwort eingesetzt wurde. Darum werden die Begriffe Zöllner und Sünder auch so häufig gleichgesetzt. Zöllner griffen in alle alltäglichen Aktivitäten ein und erhoben Steuern auf alle denkbaren Dinge. In einzelnen Fällen ging das so weit, dass die Bürger selbst für das Gras, das wild vor den Toren der Stadt wuchs, Steuern bezahlen mussten, wenn sie es als Futter für ihre Tiere schneiden wollten. Zöllner wurden daher schlechthin als die Personen betrachtet, die das Leben für alle anderen unmöglich machten. Sie wurden so stark verachtet, dass sie als unrein betrachtet wurden.

Fromme jüdische Familien vermieden es, sich mit einem Zöllner an einen Tisch zu setzen, den sie fürchteten, durch diesen Kontakt selbst unrein zu werden. Dafür gab es zwei Gründe. Zum einen verkehrten die Zöllner natürlich konstant mit Nichtgläubigen, da sie ja mit den römischen Herrschern in Verbindung standen. Ihre Geldgier wurde aber auch als Götzenverehrung angesehen, die in der Bibel ausdrücklich verboten ist. Dieses Mistrauen gegenüber den Zöllnern findet auch teilweise Einzug in die jüdische Gesetzgebung der Zeit. So untersagt es der babylonische Talmud den Zöllnern, als Zeugen bei Gericht zu fungieren. Die Begründung dafür war, dass die Zöllner mehr Steuern eintrieben, als ihnen vorgeschrieben war und sich dadurch gegen das Volk verschuldigten.

Das Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner

Im Neuen Testament findet sich jedoch auch für die Zöllner eine Hoffnung. Jesus macht einen klaren Unterschied zwischen dem Beruf des Zöllners und der Person, die dahinter steht. Das beste Beispiel dafür ist das Gleichnis von dem Pharisäer und dem Zöllner. Die Pharisäer genossen innerhalb des jüdischen Volkes hoher ansehen. Sie lebten dafür, auf die Einhaltung der Tora und ihrer Weisungen zu achten und diese auch im gemeinen Volk umzusetzen. Sie waren jedoch auch dafür bekannt, auf Personen, die ihren strengen Glaubensregeln nicht folgten, herabzusehen, ja diese sogar zu verachten. Dazu gehörten auch die Zöllner.

In dem Gleichnis betreten nun zwei Männer den Tempel, um zu beten. Der eine ist ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. In seinem Gebet dankte der Pharisäer, nicht wie Ehebrecher, Betrüger oder der Zöllner hinter ihm zu sein, sondern seine Pflichten stets zu erfüllen. Der Zöllner hingegen bekannte mit niedergeschlagenen Augen ein Sünder zu sein und bat um Gnade. Jesus hört beide Gebete und verkündet, dass der Zöllner als gerechter nach Hause zurückkehren wird, da nur derjenige, der sich selbst erniedrigt, erhöht werden wird.

Jesus wurde wegen dieser Einstellung oft verhöhnt und als Freund der Zöllner und Sünder bezeichnet. Dieser Kritik der Frommen und Schriftgelehrten begegnet Jesus jedoch mit einem Verweis auf seine Mission, die darin besteht, Sünder zu rufen.

Warum Jesus diese Einstellung gegenüber Personen wie Zöllnern hat, zeigt die Geschichte von Zachäus. Er war ein Oberster der Zöllner und hatte ein Vermögen angehäuft. Unter der Kritik der Frommen begab sich Jesus zu einem Gastmahl in das Haus von Zachäus. Nach dieser Begegnung verpflichtete sich Zachäus dazu, die Hälfte seines Vermögens an die Armen zu geben und zu hoch kassierte Zülle mit Gewinn zurückzuzahlen.

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