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Warum hat Frankreich Atomwaffen? – Aufklärung

Warum hat Frankreich Atomwaffen

Neben den USA, Russland, Großbritannien und der Volksrepublik China, sowie Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea gehört auch Frankreich zu jenen Staatsmächten, die sowohl über Nuklearwaffen als auch über die dafür benötigten Trägermaschinen verfügen. Doch weshalb ist dem überhaupt so? Der historischen Grundlage, weshalb Frankreich zur Atommacht wurde, geht der folgende Artikel auf den Grund.

Hintergründe der Entstehung

In einer entscheidenden Phase des Kalten Krieges wurde die „Force de Frappe“, die Atomstreitmacht Frankreichs im Jahre 1958 offiziell vorgestellt. Die fünfte Republik unter Charles de Gaulle war soeben gegründet und damit die Bewaffnung der französischen Streitmächte mit Nuklearwaffen beschlossen worden. Die nukleare Aufrüstung war vor allem nach dem Warschauer Pakt als Abschreckung gegen das Militärpotenzial jener Bündnisstaaten diskutiert worden. Zudem sollte sich die französische Militärpolitik zunehmend von der der USA unabhängig machen können, die zur damaligen Zeit der bedeutendste Gegenpol zur „sowjetischen Bedrohung“ darstellten.

Auch eine erneute Aufwertung Frankreichs zu einer Großmacht spielte in den Überlegungen zur Einrichtung dieser Militärsparte eine große Rolle. 1961 wurde die „Force de Frappe“ dann offiziell in „Force de dissuasion nucléaire“ umbenannt, unter welchem Namen auch heute noch nukleare Waffen unter französischer Flagge geführt werden. Frankreich ist derzeit viertstärkste Atommacht hinter den USA, Russland und China und nach dem Brexit die einzig verbliebene Atommacht der EU. Ihrer Rolle kommt in den Tagen des Angriffs Russlands auf die Ukraine eine so große Bedeutung zu, wie sie es seit dem Kalten Krieg nicht mehr inne hatte. Frankreich wird einmal mehr die Rolle der europäischen Beschützerin zugedacht.

Über welche Waffen verfügt Frankreich?

Frankreich stehen derzeit zwei nukleare Waffensysteme zu Verfügung: Luft-Boden-Raketen mit mittlerer Reichweite und seegestützte ballistische Raketen, die auf atombetriebenen U-Booten stationiert werden. Auf diesen U-Booten können jeweils bis zu 16 Atomraketen vom Typ M51, die bis zu 100 Kilotonnen Sprengkraft haben, stationiert werden. Der französischen Streitmacht stehen derzeit vier dieser U-Boote als in Betrieb zur Verfügung. Ihr Heimathafen liegt in der Nähe von Brest in der Bretagne.

Zu den nuklearen U-Booten kommen zusätzlich ca. 40 Luft-Boden-Raketen, die auf Flugzeugen an Board des Flugzeugträgers Charles de Gaulle befestigt werden können. Diese Raketen verfügen über eine mittlere Reichweite von bis zu 2.000 Kilometern und einen nuklearen Sprengkopf mit einer Sprengkraft von 300 Kilotonnen.

Frankreich und der Atomwaffensperrvertrag

Obwohl Frankreich seinerzeit den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnete und sich somit zu Abrüstung von Atomwaffen verpflichtet hat, unternahm es bis dato keine Schritte in diese Richtung. Das Atomwaffenarsenal scheint nicht abgerüstet worden zu sein, im Gegenteil. Neue U-Boote und Waffen sollen stationiert werden und unter den Umständen der Ereignisse der letzten Wochen im Russland-Konflikt mit der Ukraine, scheint die Wartung und Inbetriebnahme verschiedener Infrastrukturen, die einen etwaigen Einsatz möglich machen sollen, sollte dieser Vonnöten sein, eine neue Gewichtung im Umgang mit den eigenen Atomwaffen zu bekommen.

Wie prägen die Atomwaffen Frankreichs Beziehung zu Deutschland?

Ein Kernelement der deutschen Nachkriegspolitik ist der Verzicht der Bundesrepublik auf Kernwaffen. Angebote über Beteiligungen an französischen Nuklearwaffen, egal ob an deren Forschung oder Einsatz, lehnt die Bundesregierung seit jeher ab. Unterdessen unterhält Frankreich mit Großbritannien einen Kooperationsvertrag, der die gemeinsame Forschung an nuklearen Waffensystemen besiegelt und eventuell auch über gemeinsame U-Boot-Patrouillen erweitert werden soll. Ungeahnt dieser bereits seit 50 Jahren andauernden Allianz erneuert Frankreich immer wieder sein Interesse mit Deutschland in Sachen Nuklearwaffen zusammen arbeiten zu wollen. Gemeinsame Forschung im Tausch gegen garantierten Schutz der Bundesrepublik ist ein immer wieder viel diskutiertes Tauschgeschäft.

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