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Warum ist Russland nicht in der NATO? – Aufklärung

Russland ist mit Abstand das größte Land der Welt. Es ist so groß, dass es fast doppelt so groß ist wie die zweitgrößte Nation der Welt Kanada. Russland ist darüber hinaus eine sehr alte Nation. Auch wenn es die Russische Föderation, wie sie heute existiert, erst seit dem Jahr 1991 gibt, reicht die Geschichte Russlands bis ins 9 Jahrhundert zurück. Über die Jahre hat sich der russische Staat reformiert und erneuert, jedoch ist Russland bereits seit langem ein fester Bestandteil der Welt.

Bereits seit vielen Jahrhunderten ist es üblich, dass verschiedene Nationen mit einander Verträge vereinbaren, welche über gegenseitige militärische Versprechen verfügen. Für diese Verträge gibt es viele Namen wie Militärabkommen oder Verteidigungsbündnisse. Eines der wichtigsten und größten Verteidigungsabkommen der heutigen Zeit ist die NATO. In der NATO befinden sich viele verschiedene und einflussreiche Nationen. Doch wieso ist so ein großes, altes und einflussreiches Land wie die Russische Föderation nicht in diesem Bündnis? Diese und weitere Fragen werden in folgendem Beitrag erläutert.

Was ist die NATO?

Bevor die Kernfrage des Beitrags beantwortet werden kann, sollte auf die Frage eingegangen werden, was genau die NATO ist. Die NATO, in Deutschland auch als Atlantisches Bündnis oder Nordatlantikpakt bezeichnet, ist ein Verteidigungsbündnis von Ländern der nordamerikanischen und europäischen Kontinente. Der Sinn dieses Bündnisses ist ein gemeinsamer und gegenseitiger Schutz der eigenen Territorien. Die Mitgliedsländer unterstützen sich also gegenseitig darin ihre eigenen Ländergrenzen zu beschützen. Darüber hinaus ist ein Ziel der NATO, durch diesen gegenseitigen Schutz eine weltweite Sicherheit und Stabilität zu gewährleisten. Doch auch Russland befindet sich mit einem Teil auf dem europäischen Kontinent. Warum ist Russland also kein Mitgliedsstaat der NATO?

Die Geschichte der NATO?

Die NATO wurde am 04.04.1949 gegründet. Kurz zuvor war der 2. Weltkrieg geendet, der bisher größte und verheerendste Krieg den die Welt bis dahin erlebt hatte. Die Menschheit war geschockt von der Brutalität und der Zerstörung in der Kriegsjahren von 1939 bis 1945. Schätzungsweise haben in dieser kurzen Zeit bis zu 65 Millionen Menschen weltweit durch Kriegseinwirkungen ihr Leben verloren. Auf dieser Grundlage beschlossen 10 europäische Länder (Belgien, Dänemark, Frankreich, Island, Italien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Portugal, Vereintes Königreich) und zwei nordamerikanische Länder (Vereinigte Staaten, Kanada) die NATO zu gründen. Die Ziele dieses Bündnisses wurden bereits im vorhergehenden Teil erläutert. Die Basis dieses gegenseitigen Vertrauens ist der Nordatlantikvertrag nach Artikel 51 der UN-Charta. Darin bekennen sich alle Mitglieder zu gemeinsamen Werten hinsichtlich Frieden, Demokratie, Freiheit und der Herrschaft des Rechts.

Entwicklung der Weltordnung nach dem zweiten Weltkrieg?

Darüber hinaus gab es aber auch einen weiteren Grund für die Gründung der NATO. Denn der Kampf um Territorien war durch die Beendigung des zweiten Weltkrieges nicht beendet. Denn nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wollte ein Mitglied der Alliierten die, vom deutschen Reich befreiten Länder nicht freigeben. Die Sowjetunion gliederte die befreiten Länder des Baltikum, Polen, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Tschechoslowakei und die DDR einfach politisch an sich an. Diese Politik und Aneignung der Staaten wurde international sehr kritisch begutachtet. Aus diesem Grund wurde die NATO ebenfalls gegründet um die weitere Ausdehnung der Sowjetunion in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts auszubremsen. In der Folge dieser Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion und Ländern in Europa und Amerika gab es viele Auseinandersetzungen die auch als Kalter Krieg bezeichnet werden. Im Verlauf des Kalten Krieges bis zum Jahr 1989 gliederten sich weitere europäische Länder der NATO aus freien Stücken an. (Griechenland, Türkei, Deutschland, Spanien).
Als im Jahr 1991 die Sowjetunion aufgrund von innerpolitischen Spannungen und großen wirtschaftlichen Schäden auseinanderbrach wurde der europäische Teil der Sowjetunion in einzelne Länder aufgeteilt. (Russland, Estland, Lettland, Litauen, Belarus, Ukraine, Moldau) Auch die zuvor politisch angegliederten Länder waren nun nicht länger unter dem Machteinfluss der Sowjetunion.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion haben sich viele dieser Länder ebenfalls aus freien Stücken der NATO angeschlossen. (Polen, Tschechien, Ungarn, Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Albanien, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien)

Unüberbrückbare Differenzen zwischen NATO-Staaten und Russland nach der Sowjetunion?

Auf dieser geschichtlichen Grundlange bildet sich das heutige Verhältnis der NATO und Russland, dem einzigen Fortsetzerstaat der Sowjetunion. Daher lässt sich sagen, dass Russland zum einen nicht in der NATO ist, da die NATO zum Teil gegründet wurde um die Ausbreitung des Vorgängerstaates, der Sowjetunion, einzudämmen. Darüber hinaus ist Russland kein Teil der NATO, da Russland und die NATO Mitgliedsstaaten ein anderes Verständnis in der Auslegung und Ausübung der Werte Frieden, Demokratie, Freiheit und Recht haben. Zudem empfindet die seit dem Jahr 2000 regierende Regierung Russlands die weiteren Anschlüsse vieler ehemaliger Staaten der Sowjetunion als Bedrohung der eigenen Grenzen.

Dabei hatte Vladimir Putin selbst mehrmals erwähnt, dass er ganz am Anfang seiner Regierungszeit in den 2000er Jahren wollte, dass Russland der Nato beitritt und sich auch nach Beitrittsmöglichkeiten für Russland gefragt hat. Die amerikanische Regierung hat den Beitritt Russlands zur Nato dabei leider klar ausgeschlossen. Stattdessen sollten nur die Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion wie die Ukraine, die baltischen Staaten und Georgien (später wahrscheinlich auch noch mehr) der Nato beitreten, während Russland außen vor bleibt. Konflikte waren da also schon vorprogrammiert. Hier ist zum Beispiel ein Artikel in der WELT aus dem Jahr 2001 zu diesem Thema.