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Warum ist Schweden nicht in der NATO? – Aufklärung

Schweden hat bis 2022 immer eine neutrale militärische Stellung eingenommen, sofern sie sich nicht selbst in einem Konflikt befanden. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben es sich die Schweden zur Aufgabe gemacht, zwischen Konfliktpartnern zu vermitteln. Auf Druck der NATO und dem militärischen Bündnispartner Finnland zieht Schweden 2022 in Erwägung, der NATO beizutreten.

Geografische Lage der Schweden

Es gibt geopolitisch keinen Grund, einem Militärbündnis wie dem der NATO beizutreten. Die Haltung der Schweden hat sich vom Königshaus über die Parlamentarier bis zum Kindergartenkind verfestigt. Schweden sucht Frieden, bietet sich als Krisenhelfer an und nimmt auch flüchtende Menschen aus anderen Staaten auf. Die geografische Lage ist günstig zwischen Norwegen und Finnland und südlich an Dänemark grenzend. Einzig die Grenze zu Kaliningrad, die sowohl auf See als auch in der Luft besteht, gibt immer wieder Anlass, wachsam zu sein. Das russische Militär überschreitet die Grenzen und dringt bei Übungseinsätzen häufiger in den schwedischen Luftraum ein.

Das stellte nie ein Problem dar, weil sich die russischen Piloten stets erklärten und den Luftraum schnell wieder verließen. Solche Vorkommnisse stellten und stellen keine Gefahr für Schweden dar. Anders als der Nachbar Finnland gehört Schweden nicht vollwertig der Europäischen Union an und sieht auch keine Notwendigkeit, militärisch an ein neues Bündnis anzuknüpfen.

Militärisches Bündnis mit Finnland

Das militärische Verständnis der Schweden beruht darauf, dass sie zu humanitären Einsätzen in Konfliktgebieten reisen, jedoch nicht aktiv in einen Konflikt eingreifen. Das Bündnis mit Finnland soll die Sicherheit im Norden stärken, obwohl keiner der beiden Staaten um einen Krieg auf seinem Staatsgebiet fürchten muss. Beide Staaten vereinbaren mit anderen nordischen Partnern immer wieder Übungseinsätze, an einigen nahm auch die NATO teil oder umgekehrt, je nachdem, wer die Führung der Übungseinsätze hatte.

Konservative Haltung der Schweden

Schweden und sein Volk scheuen die Konflikte mit anderen Staaten und sind immer auf diplomatische Lösungen aus. Sie sehen sich als neutrale Vermittler und nicht als Kriegstreiber. Mit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine 2022 änderte sich der Status, zum ersten Mal unterstütze Schweden nicht die Neutralität sondern konkret die Ukraine und verurteilte Russland als Aggressor. Obwohl ein Teil der Regierung von ihrer bisherigen strikten Haltung abrückte, gab es im Volk keinen Anlass massiv für einen NATO-Beitritt zu werben.

Bei angeblichen Umfragen – es gibt bis heute keine eindeutigen Belege für dessen Gültigkeit – im Frühling 2022 sollen 51 Prozent aller Teilnehmer für einen Beitritt zur NATO gestimmt haben. Doch die schwedische Regierung fällt ihre Entscheidungen nicht wie Finnland, fürchtet sich aber davor, ab Sommer 2022 alleine zu sein, weil alle anderen Länder um Schweden Mitglied der NATO sind. Zum ersten Mal gab es auch Konflikte mit Finnland, weil die Finnen auf eine Mitgliedschaft Schwedens im Militärbündnis bestehen.

Gibt Schweden seine Haltung auf, ist das eine historische Entscheidung. Ob die wirklich langfristig besteht, bleibt abzuwarten, wenn es dazu kommt. Die Kritik an der NATO ist seit dem Angriff Russlands verstummt. Viele Schweden, die den Beitritt begrüßen würden, begründen ihre Entscheidung mit dem „Erhalt von Demokratie und Freiheit“. Demokratie und Freiheit gibt es im neutralen Schweden.

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