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Warum ist Finnland nicht in der NATO? – Aufklärung

Warum ist Finnland nicht in der NATO

Die NATO ist ein Militärbündnis und Finnland hat auf einen Beitritt im Friedensvertrag mit der Sowjetunion verzichtet. Um die Beziehungen zwischen den beiden angrenzenden Staaten nicht zu gefährden, nahm Finnland nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem es Deutschland unterstützte, eine neutrale Position ein. Das war sehr wichtig, denn die Sowjetunion hat stets damit gedroht, Sanktionen gegen Finnland zu verhängen, sollte es einer Nato-Norderweiterung zustimmen.

Rüstungsabbau in Finnland

Mit dem Friedensvertrag vom 10. Februar 1947 willigte Finnland ein, militärisch abzurüsten und keine Angriffe auf Alliierte zu starten. Zum Zeitpunkt der Vertragsunterzeichnung stand das nordische Land nicht nur mit der Sowjetunion, sondern auch mit dem Vereinigten Königreich, den Vereinigten Staaten sowie Südafrika, Neuseeland und Australien im Krieg. Um jede Gefahr zu unterbinden, die drohte von Finnland auszugehen, wurde die Entmilitarisierung des Landes vereinbart, allerdings wurde dem Staat bestimmtes militärisches Material zugesichert, um sich im Ernstfall verteidigen zu können.

Wirtschaftsbündnis mit Russland

In den folgenden Jahrzehnten stärkte Finnland seine Beziehungen zu Russland als direkter ländlicher Nachbar. Es wurde ein Handelsabkommen unterzeichnet, das den Austausch von Waren begünstigt. So erhält Finnland unter anderem einen Teil des Gases aus Russland, im Gegenzug liefert Finnland natürliche Rohstoffe wie Holz. Auch die Regierungen beider Staaten vereinbarten eine engere Zusammenarbeit. Die Bereiche wurden ausgeweitet und Russland galt bis 2022 als einer der wichtigsten Handelspartner für das fenno-skandinavische Land.

Friedliches Zusammenleben mit dem Nachbarn

Finnland sah in der russischen Politik bis 2022 kein Konfliktpotenzial. Es gab zwar immer wieder scharfe diplomatische Verhandlungen zwischen den beiden Staaten, bedroht fühlte sich aber keiner der beiden Länder. Die Bevölkerung begrüßte das friedliche Miteinander, wenngleich auch eine spürbare Distanz zueinander eingehalten wurde. Russland und Finnland profitierten von Tagestouristen und dem kulturellen Austausch. Finnland unterhielt als neutraler Staat gute Beziehungen zu allen anderen europäischen Staaten und trat auch in die Europäische Union als vollwertiges Mitglied ein.

Militärische Bindung zu Schweden

Schweden hat eine große Bedeutung, in Finnland gilt die ehemalige Besatzungsmacht heute als der wichtigste Partner des Landes. In der Nordischen Union, zu der alle nordischen Länder gehören, pflegt Finnland einen sehr guten Austausch mit allen Staaten und stärkt durch seine Aktivitäten das Bündnis. Militärisch orientierte sich Finnland seit dem Zweiten Weltkrieg schon immer an Schweden. Im Zuge der Zusammenarbeit kam es auch zu gemeinsamen militärischen Übungseinsätzen. Beide Armeen verständigten sich darauf, einen neutralen Status einzunehmen und keinesfalls in ein anderes Bündnis zu einzutreten.

Die NATO zielte immer wieder darauf ab, die beiden Staaten von einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Schließlich sind auch Norwegen und Dänemark NATO-Mitglieder. Jedoch gab es einen guten Grund zur Ablehnung, denn man fürchtete sich immer davor, in einen Konflikt hineingezogen zu werden, der durch keinen der beiden Staaten verursacht wurde.

Mit Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 änderte sich die Stimmung in Finnland nicht zuletzt durch die Propaganda der westlichen Staaten, die Finnland vermittelten, dass Russland eine reale Gefahr für den finnischen Frieden darstelle. Ohne Militärbündnis sei Finnland einem möglichen Angriff Russlands unterlegen. Dabei betonte die finnische Regierung einen Antrag bei der NATO für die Mitgliedschaft zu stellen, die aber nicht darauf gründe, dass Russland einen Krieg in der Ukraine begann.

Warum also will Finnland seine Neutralität und als neutraler Verhandlungspartner zwischen den Fronten aufgeben, um den Zorn des direkten Nachbarn auf sich zu ziehen? Es gibt keinen logischen Grund zur Aufrüstung und der Kriegsposition, denn die künftige Mitgliedschaft könnte schwerwiegende Folgen für das Land haben. Es wird durch Russland, sofern die Regierung in Moskau nicht ausgetauscht wird, als eine Bedrohung wahrgenommen. Russland führt auch deshalb in der Ukraine Krieg, weil sie gegen die NATO-Osterweiterung sind und mit allen Mitteln verhindern möchten, dass die Ukraine NATO-Mitglied wird. Davon auszugehen, dass Russland nach dem Krieg gegen die Ukraine in Finnland einfällt, um einen NATO-Beitritt zu verhindern, ist absurd. Davon ist auch die finnische Regierung überzeugt.

In Finnland hat das Volk eine sehr große Macht im Vergleich zu anderen Staaten. Das Volk wünscht – ohne dass dies anhand von Dokumenten je belegt wurde – mehrheitlich den NATO-Beitritt. Die Bürger:innen haben sich aus der Ruhe bringen lassen und fürchten sich vor der großen Macht Russlands. Die Propaganda des Westens und Ostens hat das Land tiefgreifend verunsichert und eine historische Entscheidung beschleunigt. Finnland wird aller Voraussicht nach planmäßig im Sommer 2022 neues NATO-Mitglied.

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