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Warum gab es die Berliner Mauer? – Aufklärung

Die Berliner Mauer sagt jedem Schüler etwas. Jeder weiß, wo sie stand, hat wahrscheinlich sogar Bilder davon gesehen oder Reste davon besichtigt. Doch warum sollte man eine Mauer durch eine Stadt bauen?

Die Vorgeschichte der Mauer

Um zu verstehen, warum eine Grenze so dichtgemacht wird, muss man verstehen, warum es überhaupt eine Grenze gibt. Vor allem eine Grenze zwischen zwei deutschen Staaten.

1939 überfiel Deutschland Polen und der Zweite Weltkrieg begann. 1941 folgte dann der Überfall auf die Sowjetunion. Nach Jahren des Krieges konnten die Alliierten Deutschland besiegen und eine Teilung Deutschlands war längst beschlossene Sache. Frankreich, Großbritannien, die USA und die Sowjetunion haben Deutschland in vier Teile geteilt und Berlin obendrein.

1949 bildeten sich aus diesen Teilen im Westen die BRD und im Osten die DDR. Die BRD stand unter dem Einfluss und dem Schutz der Siegermächte des Westens, die DDR war ein Vasallenstaat der Sowjetunion. Auch unter ihrem Schutz, und doch sehr viel schlechter behandelt als die BRD von „ihren“ Siegern.

Ausgebeutet

Die Sowjetunion hat in der Zeit des Krieges schreckliche Verluste erlitten. Vor allem Millionen Menschen kamen ums Leben, aber auch ganze Städte und Dörfer wurden vernichtet. Und da sah es die Sowjetunion als angemessen an, sich Reparationen aus ihrem Teil Deutschlands zu holen. Und das war das Staatsgebiet der DDR. Unzählige Dinge wurden mitgenommen, demontiert, in der Sowjetunion wieder aufgebaut und so weiter. Und das hat die DDR und ihre Infrastruktur so hart getroffen, dass sie sich davon niemals wieder ganz erholen sollte.

Die BRD bekam Geld, Schutz und Zuwendungen. Schnell ging es da wieder bergauf und die wirtschaftliche und gesellschaftliche Kluft zwischen beiden Teilen Deutschlands nahm zu.

Das bessere Deutschland war eine Diktatur

Eigentlich wollte die DDR das bessere Deutschland sein. Die Faschisten seien alle weg und hier gäbe es nur noch die guten Menschen, die besseren Menschen mit den besseren Ideen, Absichten, moralischen Ansprüchen.

Doch es zeigte sich schnell, dass die Sowjetunion keine Demokratie errichten wollte. Die DDR war eine Diktatur mit allem, was dazugehört Die Stasi begann bald, jeden Schritt der Bürger zu überwachen, zu kommentieren und festzuhalten. Wer nicht angepasst war, kam auf Listen und irgendwann vielleicht sogar ins Gefängnis. Rechtstaatlichkeit? Das gab es in der DDR nicht.

Abstimmung mit den Füßen

Geringe Aussichten für das eigene Leben und das der Kinder, Bevormundung, Überwachung, Enge, eine idealisierte Freundschaft zu einem „großen Bruder“ Sowjetunion, die so als Beziehung niemals war. Die Menschen wollten das nicht und sie stimmten mit den Füßen ab. Sie wollten in das andere Deutschland. In das demokratische Deutschland und dort vom Wohlstand, dem „Wirtschaftswunder“ und der Freiheit profitieren, sich eine Zukunft schaffen nach dem Krieg, den viele noch miterlebt hatten.

Der Mauerbau

Unter diesen Menschen, die es satt hatten, die abhauen wollten, waren auch viele kluge Leute, die dringend in der DDR zu bleiben hatten, wenn es nach der Staats- und Parteiführung gegangen wäre. Denn wie will man einen guten und produktiven Staat aufbauen, wenn die besten Köpfe des Landes jenes Land verlassen und stattdessen dem „Klassenfeind“ beim Aufbau seines Staates helfen?

Am 13. August 1961 riegelte die DDR mit Rückendeckung der Sowjetunion die Grenze ab und mauerte sich buchstäblich ein, mauerte seine Bürger ein und verwandelte sich mit den Jahren und Jahrzehnten in ein großes Freiluftgefängnis. Zahlreiche Menschen starben bei dem Versuch, das Land zu verlassen. Republikflucht war ein Kapitalverbrechen.

Verkauft wurde den Menschen die Mauer als „antifaschistischer Schutzwall“. Die Faschisten und alle anderen „schädlichen Elemente“ sollten fernbleiben und nicht die armen ehrlichen Menschen der DDR behelligen. Eine Lüge und Manipulation, auf die aber kaum jemand hereinfiel. Doch die Stasi hatte viele Ohren und so lehnte man sich nicht wirklich auf. Bis in die 80er Jahre.

Ende

Die Mauer hielt ganze 28 Jahre und kostete Menschen das Leben, teilte das Land nachhaltig und noch heute merkt man einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden deutschen Staaten, die jetzt einer sind. Einkommen, Lebenserwartung, Arbeitszeit, Rente, Vermögen, Religion. Bildet man das auf einer Karte ab, so zeichnen sich die DDR und die BRD klar voneinander ab. Die Mauer hat also auch über 30 Jahre nach ihrem Verschwinden noch Wirkung, noch einen Schrecken, noch eine Lektion an alle zu erteilen, die meinen, damit etwas erreichen zu können.