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Deutsche Revolution 1848 – Bedeutung, Ursachen & Folgen

Viele Ereignisse haben eine Verbindung zu heute, auch wenn sie schon viele Generationen her sind und niemand mehr lebt, dessen Großeltern es noch erlebt hätten. So ist es mit der Revolution von 1848. Was hat es mit ihr auf sich? Was für einen Ursprung hat sie? Und vor allem: Was waren die Folgen?

Die Revolution von 1848

Mit der Revolution von 1848 wurde zum ersten Mal in der Geschichte Deutschlands der Versuch des Parlamentarismus gewagt, der Demokratie, der Bürgerrechte und der Freiheit jedes Einzelnen. Man wollte eine Welt schaffen, in der sich jeder Mensch als Brüder und Schwestern sehen konnten, die sich gemeinsam schätzten, nicht mehr länger Untertanen waren und sich Gesetze geben konnten, statt sie einfach blind und ängstlich zu befolgen.

Die Ursachen der Revolution von 1848

Napoleon hat Jahrzehnte vor der Revolution Europa auf den Kopf gestellt. Die Fürsten wussten gar nicht, wie ihnen geschah, doch als Napoleon 1815 endlich weg war, wollten sie alles wieder so haben, wie es vor seinem Eingreifen war. Die Monarchen und der Adel generell wollte die Restauration, also eine Wiederherstellung der alten Verhältnisse. Fortschritte, die Napoleon eingeführt hatte, sollten verschwinden.

Deutschland war zu Beginn und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts kein Nationalstaat, sondern bestand aus vielen großen und kleinen Königreichen, freien Städten und Ländern. Das Wort Flickenteppich wird hier häufig gebraucht und es ist noch heute in der föderalen Struktur Deutschlands zu finden. Viele Menschen wünschten sich aber das, was England und Frankreich zu dieser Zeit bereits hatten: einen geeinten Nationalstaat. Zu dieser Zeit bildeten sich Liberalismus und Nationalismus aus, der damals noch nicht den Charakter hatte, den er im darauf folgenden Jahrhundert erhalten sollte. Die Sehnsucht nach einem freien und national Selbst war also eine Ursache.

Eine weitere waren die generellen politischen und sozialen Verhältnisse. Die aufkeimende Industrielle Revolution mit Webstuhl und allem drum und dran veränderte die Produktion von Stoffen. Viele Familien verarmten und Weberaufstände kamen vor. In den 1840er-Jahren wurde Europa von den letzten schweren Hungerkatastrophen heimgesucht und die Menschen fürchteten sich und litten. Die sogenannte Soziale Frage keimt auf und sollte noch für Jahrzehnte Denker und Wissenschaftler beschäftigen.

Auch entwickelte sich langsam das Individuum als Staatsbürger, eine Folge der Französischen Revolution knappe 60 Jahre zuvor. Man Begriff sich als ein Teil der Welt und wollte Rechte haben, wollte Gleichheit haben, wollte als Staatsbürger geachtet und geschätzt werden, nicht als Untertan. Auch wollte man den Unterdrückungsapparat niederdrücken und – wenn möglich – ganz abschaffen. Die Demokratie sollte Einzug halten, nicht die bestehende Ordnung.

Die Folgen

Die Folgen der Revolution ist nicht zu unterschätzen. Zwar kann sie als gescheitert angesehen werden, da ihre Vorhaben, die bereits eingeführt wurden, nie wirklich umgesetzt wurden und später auch wieder rückgängig gemacht wurden, doch man konnte die Bürger nicht mehr länger überhören. Der Nationalstaat kam das nächste Mal von oben, 1871 von Bismarck eingeführt. Dieser verbesserte als Kanzler auch das Leben der normalen Menschen, führte Versicherungen ein und der Lebensstandard stieg. Das Kaiserreich hätte es also vielleicht nie gegeben ohne die Revolution, ironischerweise.

Auch die Weimarer und die Bundesrepublik sind Kinder der Revolution von 1848 und ihren Ideen. Noch immer werden Köpfe und der Ort der Paulskirche in der demokratischen Welt verehrt, Schwarz-Rot-Gold sind noch immer Nationalfarben, wie schon 1848/49, 1919 bis 1933 und wieder seit 1949. Auch die DDR bezog sich in ihrer Tradition auf die Revolution, jedoch unter etwas anderen Vorzeichen.

Das ganze Grundgesetz kann als Kind jener Ideen aufgefasst werden, die damals etabliert und formuliert wurden. Ein Grundrechtskatalog, der alle Bürger einschloss. Niemand sollte mehr Angst vor dem Staat haben müssen. Die demokratische Tradition Deutschlands begann damals.

Bedeutung

Die Revolutionäre von 1848 galten jeder demokratischen Strömung und jedem Demokraten als Vorbilder. Sie zeigten, dass man sich erheben musste, dass sich etwas verändern konnte, wenn man es selbst wollte. Aber sie diente auch als Mahnung, dass antidemokratische Kräfte es ausnutzen konnten, wenn man sich nicht einig war, wenn man sich zu sehr auf seine Ideale bezog und sich dahinter versteckte. So nutzten die reaktionären Kräfte von 1848/49 die Streitigkeiten im neuen Parlament, um selbst alles rückgängig zu machen und die Demokratisierung gar nicht erst stattfinden zu lassen. Die Revolution war gescheitert, aber die Ideen lebten.