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Warum waren Jeans in der DDR verboten? – Aufklärung

Die Jeans war ein sehr kontroverses Kleidungsstück in der DDR und hat eine lange Entwicklung durchmachen müssen, bis sie wirklich akzeptiert wurde. Selbst heute wird der Status der Jeans während der Teilung Deutschlands immer wieder aufgegriffen und beispielhaft für die Unterdrückung von westlichen Produkten genommen. Der Streit um die Jeans war eines der Merkmale der Kultur in der früheren DDR. Dabei steht das Verbot der Jeans für sehr viel mehr und lässt sich auf das politische System der DDR zurückführen. In diesem Artikel wird auf diese Entwicklung und den späteren Kult-Status der Jeans eingegangen.

Woher kam das Verbot?

Die Jeans oder der Jeansstoff wird bereits seit 1852 hergestellt und oftmals als strapazierfähige Hose in der Arbeitsumgebung genutzt. Mit den Jahren hat sich das Kleidungsstück in die Kultur integriert und wurde sozusagen ein Statussymbol für die USA und gleichzeitig des Kapitalismus. Jeansträger wurden zu Trendsettern und waren ein Symbol für die Freiheit und Bequemlichkeit. Und genau deshalb wurde sie in der DDR verboten. Der Einfluss der Sowjetunion und des Sozialismus sahen die Jeans als etwas, was das politische System angreifen könnte. Vor allem die Jugend der DDR würde dadurch anfangen zu rebellieren und sich mehr Amerika und dessen Kultur zuwenden. Die Jeans und den damit verbundenen Lifestyle wollte man eingehend unterdrücken, vor allem in den 1950er und 60er Jahren.

Jeans wurden dennoch verkauft, aber nicht offiziell. Man konnte sie nur unter der Ladentheke bekommen oder direkt aus dem Westen, was sie umso begehrter machte. Das Gleiche galt früher auch für viele Produkte aus dem Westen, darunter auch Musik oder Zeitschriften. Diese wurden von der DDR nicht einfach als Produkte gesehen, sondern standen für das kapitalistische System. Wer Jeans trug, widersetzte sich der DDR. Viele wurden schief angeschaut und auf Schulhöfen waren sie verboten. Man zeigte mit dem Tragen einer Jeans, dass man sich gegen das System widersetzte und sich dem westlichen Lebensstil hingab.

DDR-Jeans und das veränderte Bild des Kleidungsstücks

Die Jeans wurde in den 1960er und 70er Jahren immer beliebter und erfreute sich trotz des vermeintlichen Verbots vieler öffentlicher Auftritte. Bekannte Persönlichkeiten zeigten sich mit Jeanshosen und spiegelten dadurch den Willen der Freiheit des Konsums wider. Man wollte das tragen, was einen selbst repräsentierte. Durch die verschiedenen Auftritte rückte das Bild der Jeans in die breite Öffentlichkeit und das drang die DDR dazu, das Kleidungsstück zu akzeptieren.

Wie auch bei viele anderen Produkten war die DDR sehr geschickt darin, diese zu imitieren und selbst zu verkaufen. Die DDR-Vorstände wollten natürlich nicht zulassen, dass die Jeans aus dem Ausland kommen, wodurch kurzerhand eine eigene und inländische Produktion startete. Dies war für das Image der DDR sehr viel besser und so konnten trotzdem Jeans an die Freunde des Kleidungsstücks verkauft werden, ohne diese aus dem Westen zu importieren. Bekannte Marken waren „Boxer“, „Wisent“ oder „Goldfuchs“. Jedoch blieben diese seit 1978 hergestellten DDR-Jeans hinter den Erwartungen der Käufer zurück. Qualitativ konnten sie einfach nicht mit den Originalen aus dem Westen mithalten und begünstigten somit weiter den Jeans-Schwarzmarkt.

Dennoch brachte die Eigenproduktion der Jeans auch Vorteile mit sich, nämlich dass sie nicht mehr verboten war und vom Staat selbst akzeptiert wurde. Der Stoff wurde in den 1980er Jahren immer beliebter und auch von offizieller Seite aus getragen, zum Beispiel in der FDJ (Freie Deutsche Jugend). Die Jeans hat also eine sehr interessante Entwicklung durchlebt, vom verbotenem Kleidungsstück bis hin zu einem eigens produzierten Modetrend in der DDR.

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