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Warum sind in Griechenland so viele Poleis entstanden? – Aufklärung

Der Begriff Polis stammt aus dem altgriechischen und bedeutet in etwa „Stadt“ und „Staat“, kann auch aber mit dem Begriff „Burg“ übersetzt werden. Historisch betrachtet werden die Antiken Stadtstaaten Griechenlands als Poleis (Mehrzahl) bezeichnet. Dabei ist die Begrifflichkeit für sich nicht auf den eigentlichen Stadtkern beschränkt. Sie umfasst auch die unmittelbaren, zur Stadt gehörenden, Ländereien.

Poleis werden zwar als Synonym für den antiken Stadtstaat verwendet, definieren sich jedoch in erster Linie über die Bürgergemeinschaft und Zugehörigkeit, als über die territoriale Ausdehnung der Stadt.

Geschichtliche Entwicklung

Ab dem 8. Jahrhundert vor Christus strebten die Städte des hellenistischen Mittelmeerraumes nach Autonomie. Zwar gab es eine gemeinsame Sprache, jedoch konnten sich die einzelnen Siedlungen aufgrund der großen Entfernen zueinander relativ autark von einander entwickeln. Es kam im antiken Griechenland nie zu der Bildung eines geeinten griechischen Staates.

Ab 750 vor Christus, bis ca. 550 vor Christus kam es im Rahmen der Großen Griechischen Kolonisation zu einer starken Expansion der charakteristischen Poleis im gesamten Mittelmeerraum. Diese Ausdehnung des Typus Polis führte zu einer noch ausgeprägteren, eigenverantwortlichen Entwicklung der jeweiligen Städte. Die Poleis installierten jeweils eigene Regierungen und Verwaltungsapparate, es kam zu einer nachhaltigen Bildung spezifischer Identitäten und Charakteristika.

Warum kam es zu der Entstehung von Poleis?

Eine abschließende Erklärung konnte durch die Forschung diesbezüglich noch nicht geliefert werden. Nach derzeitigen Stand ist davon auszugehen, dass sich die minoische Hochkultur von den südlichen griechischen Inseln in nördliche Richtung ausdehnte und sich einzelne Machtzentren bildeten. Diese wurden jeweils durch unterschiedliche Führungspersönlichkeiten kontrolliert. Diese frühen Poleis wurden also bereits über ihre Bürger und Anführer definiert.

Wie bereits beschrieben wurde die Entstehung einzelner Poleis durch die Entfernung der Städte zu einander begünstigt. Aber auch die natürliche, landschaftliche Beschaffenheit Griechenlands trug zu einer isolierten Entwicklung der Stadtstaaten bei.

Die Geografie und Topografie Griechenlands ist durch vielen kleine Inseln, Berge und Täler gekennzeichnet. Es handelt sich um ein ganz natürlich unterteiltes Land. Dies erschwerte den Handel und die Kommunikation der Städte untereinander, förderte jedoch im Umkehrschluss die autarke Entwicklung der eigenen Identität. Die Bewohner bezeichneten sich, trotz gemeinsamer Sprache, nicht als Griechen. Vielmehr verstanden sie sich aufgrund der entwickelten Identität als „Athener“ oder „Spartaner“. Diese beiden Poleis zählen mit Sicherheit zu den bekanntesten Vertretern ihrer Art.

Kennzeichen von Poleis

Beschaffenheit einer Polis

Jede Polis verfügte im Zentrum des Stadtgebietes über eine Agora, einen Versammlungsplatz. Um diese herum gruppierten sich die wichtigen Gebäude der Stadtverwaltung und der Religionsausübung. Ferner lebten Händler, Handwerker und Akademiker im unmittelbaren Stadtgebiet. Die meisten Bürger der Antike jedoch lebten auf dem Land. So war die Polis außerhalb der Stadtmauern von landwirtschaftlichen Nutzflächen und kleineren Siedlungen umgeben. Es bleibt zu konstatieren, dass den Poleis eine Akropolis zugehörig war. Bei dieser handelte es sich um ein symbolisches Erkennungsmerkmal. Die Akropolis wird als „Burgberg“ beziehungsweise „Wehranlage“ übersetzt.

Ideale einer Polisgemeinschaft

Neben der wirtschaftlichen und militärischen Unabhängigkeit strebten die Einwohner der Poleis u.a. nach der Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz. Ferner verfügten die Poleis über jeweils eigene Feste, Heiligtümer und eigene Schutzpatrone, bzw. Gottheiten. So galt Athena als Schutzpatronin Athens. Weiter verfügten die Poleis über ein eigenes Heer und eine eigene Flotte. Auch die Einführung eigener Währungen war ein typisches Merkmal einer Polis.

Rechte und Pflichten der Einwohner

Die Bewohner der Poleis unterschieden sich in mannigfaltiger Natur. So durften u.a. nur männliche, volljährige Vollbürger an politischen Entscheidungen mitwirken. Als Vollbürger wurde jedoch nur derjenige bezeichnet, der ein eigenes Stück Land besaß und ferner selbst Kind eines Polisbürgers war. Weitere Bewohner der Gemeinschaften, ohne die beschriebenen Rechte, waren Metöken, Frauen und Sklaven.

Als Metöken wurden freie, jedoch von Außen stammende, Einwohner der Poleis bezeichnet. Dieser Begriff wurde vor allem in Athen verwendet. Dort mussten Metöken eine gesondert zu entrichtende Steuer zahlen. Metöken galten zwar als freie Bürger, mussten sich in ihrer Wahlheimat vor Gericht oder im Handel durch einen Vollbürger der Polis vertreten lassen.

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