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Warum war Bonn die Hauptstadt der BRD? – Aufklärung

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Berlin als deutsche Hauptstadt nicht mehr vertretbar. West-Berlin hatte durch die sowjetische Besatzungszone und die DDR einen Inselstatus erlang und auch die Vermächtnislage schloss Berlin als Hauptstadt aus. Es wurde nach einer provisorischen Lösung gesucht und man sprach häufiger von einer Suche nach einem Regierungssitz, nicht einer Hauptstadt. Es wurde sogar erwogen, gar keine Hauptstadt festzulegen, um den provisorischen Charakter eines neuen Regierungssitzes zu unterstreichen und den Gedanken an die Wiedervereinigung lebendig zu halten.

Drei Städte konkurrieren

Die engere Wahl fiel zunächst auf Frankfurt am Main, Kassel und Bonn. Frankfurt galt zunächst als eindeutiger Favorit, da etliche Punkte für diese Wahl sprachen. Frankfurt lag an einem wichtigen Schnittpunkt der westlichen Alliierten Zonen. Außerdem stellte die Pauluskirche als erster Sitz des ersten frei gewählten Parlaments von Gesamtdeutschland ein wichtiges Symbol für Demokratie und Freiheit dar. Für Kassel hingegen sprach die zentrale Lage im Herzen Deutschlands, doch war die Stadt noch schwer von Kriegsschäden gezeichnet und es herrschte eine akute Wohnungsnot, die durch das Verlegen des Regierungssitzes noch stärker ins Gewicht fallen würde.

Es war Bundeskanzler Konrad Adenauer, der sich hauptsächlich für die Stadt Bonn als provisorischen Regierungssitz einsetzte. Bonn war eine Universitätsstadt, in der Adenauer selbst in den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts Rechts- und Staatswissenschaft studiert hatte. Jedoch war die Stadt weder ein wirtschaftlicher Mittelpunkt, wie Frankfurt, noch konnte sie durch eine zentrale Lage überzeugen, wie Kassel. Dennoch glaubte Adenauer, dass die Nähe zu den West-Alliierten und auch die kurfürstliche Vergangenheit der Stadt ideale Bedingungen schufen. Eine Rolle spielte mit Sicherheit auch die Tatsache, dass der gebürtige Kölner Adenauer im nur 15 km entfernten Rhöndorf zuhause war.

Die Wahl der neuen Hauptstadt beginnt

Die Städte Bonn und Frankfurt am Main hatten bald eine rege Politik-Lobby. So wurde die Entscheidung mehr noch als eine praktische Frage zu einer politischen Grundsatzentscheidung, denn die SPD sprach sich für Frankfurt am Main aus, während die Union rings um Konrad Adenauer Bonn bevorzugte.
Für viele Wochen sah es so aus, als würde Frankfurt gewinnen. Die Großstadt zeichnete sich durch eine ausgezeichnete Infrastruktur aus und war außerdem Sitz der amerikanischen Militärregierung. Bereits seit 1947 war Frankfurt Sitz des vereinigten Wirtschaftsgebiets der westlichen Zonen und der Wiederaufbau der Stadt ging in riesigen Schritten voran.

Zum Jahr 1948 war auch Bonn weitgehend wiederaufgebaut, doch gegenüber Frankfurt wirkte die kleine Stadt eher provinziell und daher weniger attraktiv. Daher fühlte sich die SPD auch siegessicher, zumal eine geheime Abstimmung durchgeführt wurde, bei der Frankfurt gewann. Adenauer hörte jedoch von der geheimen Abstimmung und informierte umgehend seine Abgeordneten, die empört reagierten. So kam es, dass schließlich bei der Abstimmung des Parlamentarischen Rates am 10. Mai 1949 Bonn mit 33 Stimmen zu nur 29 Stimmen für Frankfurt gewann. Die endgültige sollte jedoch von dem Bundestag getroffen werden, der zu dieser Zeit gerade gebildet wurde.

Abstimmung durch den Bundestag

Im August 1949 hatte das Volk insgesamt 410 neue Abgeordnete für den neuen Bundestag gewählt, dem nun die Aufgabe einer neuen Gesetzgebung bevorstand. Am 15. September 1949 wählte der Bundestag den Bonn-Befürworter Konrad Adenauer zum Bundeskanzler. Es sollte jedoch noch bis zum 3. November 1949 dauern, bis der Bundestag schließlich über die Wahl der neuen Hauptstadt entschied. Wie schon bei der Abstimmung im Parlamentarischen Rat gewann Bonn auch diese Abstimmung. Die SPD machte Anschuldigungen der Wahlbeeinflussung laut, denen zufolge rund 100 Bundestagsabgeordnete zu Gunsten von Bonn bestochen wurden. Doch trotz eines Untersuchungsausschusses konnten diese Anschuldigungen nie bewiesen werden und Bonn wurde offiziell zur neuen Hauptstadt.

Bonn – Ein Anfang mit Bescheidenheit

Viele Menschen können heute schwer nachvollziehen, warum 1949 die Wahl der Bundeshauptstadt auf eine eher verschlafene Universitätsstadt am Rhein fiel, während doch andere Städte im westlichen Bereich Deutschlands schon in der ersten Nachkriegszeit wesentlich attraktiver waren. Dazu muss man sich jedoch zwei Überlegungen vor Augen führen. Einerseits wünschte man sich nach der Zeit des Nationalsozialismus keine große, prunkvolle Hauptstadt, sondern eher einen bescheidenen Neubeginn. Dafür bot Bonn genau den richtigen Rahmen. Zum anderen glaubten 1949 die meisten Politiker, dass die Teilung Deutschlands nur ein schnell vorübergehender Zustand sein würde. Nach einer Wiedervereinigung würde Berlin wieder zur Hauptstadt werden, weshalb es Sinn machte, eine kleine Stadt wie Bonn zu wählen und damit den provisorischen Status deutlich zu unterstreichen. Niemand konnte damals vorhersehen, das Berlin noch bis 1990 warten musste, um wieder zur Bundeshauptstadt erklärt zu werden.