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Warum waren die Russen in Afghanistan? – Aufklärung

Warum waren die Russen in Afghanistan

Am 25. Dezember 1979 zogen russische Truppen in Afghanistan ein. Flugzeuge entluden Soldaten auf dem Flughafen von Kabul, während gleichzeitig Panzertruppen die Grenze zu Usbekistan, damals noch Sowjetrepublik, überschritten. Doch was hatte die sowjetische Führung, damals unter Leonid Breschnew, dazu bewogen, in den Bürgerkrieg in Afghanistan einzugreifen?

Innenpolitische Situation in Afghanistan

Die Sowjetunion hatte Afghanistan bereits seit etwa 30 Jahren Unterstützung geliefert, in Form von Infrastruktur, Öllieferungen zu günstigen Bedingungen und technischer Beratung. Doch stand die kommunistische Philosophie auch in starkem Gegensatz zu den Mudschahidin, die den islamischen Glauben in Afghanistan weiter zu stärken suchten. So entstanden im Land Konflikte. Während progressiv eingestellte Afghanen die durch Russland herbeigeführte Modernisierung begrüßten, wurden viele Mullahs verhaftet, da Russland versuchte, die Religion zu unterdrücken.

Sardar Mohammed Daoud Khan war nach einem Militärputsch im Jahr 1973 in Afghanistan an die Macht gekommen und bemühte sich in den folgenden Jahren um eine Blockfreiheit, indem er Verbindungen mit den USA und dem Iran aufnahm. So löste er das Land allmählich aus der Umklammerung durch die Sowjetunion. Daud konnte jedoch keinen Weg aus den wirtschaftlichen Nöten finden und im Jahr 1978 kann es erneut zu einem Putsch, durch den Noor Mohammed Taraki an die Macht kam, der durch Moskau unterstützt wurde. Seine moderne Politik sah Reformen und Frauenrecht vor, was bei den strenggläubigen Moslimen auf Wiederstand stieß. Es bildeten sich etliche Gruppen von Mudschaheddin in unterschiedlichen Landesteilen, die sich gegen eine zentrale Landesregierung wehrten und für die Erhaltung islamischer Sitten kämpfte.

Zu Beginn des Jahres 1979 wurde Hafizullah Amin Premierminister und Taraki verlor seinen Einfluss. Amin war bestrebt, den Einfluss der Sowjetunion zu verringern. Russland unterstützte einen Umsturzversuch von Taraki, der jedoch erfolglos blieb. Taraki wurde schließlich ermordet. Es entstand ein Bürgerkrieg um die Macht in Afghanistan, der vom CIA unterstützt wurde. So sah Russland seinen Einfluss schwinden und eine Invasion schien die einzige Möglichkeit zu sein, um Afghanistan unter russischem Einfluss zu halten.

Russland fürchtete Islamisierung

Die zunehmende Säkularisierung hatte in Afghanistan zur Bildung religiöser Gruppen geführt, die sich gegen die Regierung auflehnten. In den südlichen Sowjetrepubliken gab es ebenfalls einen großen Bevölkerungsanteil, die der islamischen Religion angehörte, diese jedoch eher im Stillen praktizierte. Es bestand nun in der sowjetischen Regierung die Befürchtung, dass ein zunehmender Einfluss der Mudschaheddin in Afghanistan auch auf diese russischen Landesteile überschwappen und dort zu einer zunehmenden Islamisierung führen könne. Auch für diese Gefahr schien gegen Ende des Jahres 1979 ein Einmarsch nach Afghanistan die einzige Lösung zu sein.

Geopolitische Erwägungen

Mit höchster Wahrscheinlichkeit waren es am Ende jedoch geopolitische Erwägungen, die Russland zum Einmarsch in Afghanistan veranlassten. Die USA hatten zunehmend Interesse an Afghanistan gezeigt und Russland wollte es sich nicht leisten, das Land aus seiner Einflusssphäre zu verlieren. Man hatte angenommen, in Afghanistan bereits eine Machtposition errungen zu haben. Wollte die Sowjetunion ihr Einflussgebiet bis zum Indischen Ozean ausbreiten, so war Afghanistan damit eine wichtige Etappe, die verteidigt werden musste. Die USA unterstützen die Rebellengruppen politisch und militärisch. So war bereits ein Stellvertreterkrieg entstanden, dessen Ziel es war, die Sowjetunion zu schwächen. Der Kreml sah sich in Zugzwang und sah seine einzige Chance darin, in Afghanistan einzumarschieren.

Unterschätzung des Kriegsaufwands & Unterstützung der Taliban durch die USA

Wie es den USA bereits in Vietnam passiert war, unterschätzte die sowjetische Regierung bei Weitem den Aufwand, den es kosten würde, ein Land wie Afghanistan zu unterwerfen. Afghanistan wird daher auch oft als das russische Vietnam bezeichnet. Man hatte sich vorgestellt, nach Afghanistan einzumarschieren und in wenigen Wochen Kabul einzunehmen. Dort sollte eine pro-russische Regierung eingesetzt werden, die das Land fest in der russischen Einflusssphäre halten würde. So hätten russische Truppen nur über kurze Zeit in Afghanistan verbleiben müssen. Als die Invasion 1979 begann, schien der Plan unkompliziert und leicht durchzuführen. Doch die konservativen Mudschahedin wurden vom Westen stark unterstützt und mit modernen Waffen ausgestattet. Ein großer Teil des afghanischen Militärs schloss sich nach und nach den Rebellen an und kämpfte gegen Russland. So wurden die russischen Truppen in einen Krieg verwickelt. Der nicht zu gewinnen war. Hätte die russische Führungsspitze damals voraussehen können, dass die russischen Truppen fast 10 Jahre später unverrichteter Dinge aus Afghanistan abziehen musste und das die enormen Kosten aus diesem Krieg schließlich ein erster Schritt zur Auflösung der Sowjetunion werden sollte, so wäre Russland wahrscheinlich nie einmarschiert.

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