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Warum hat Bismarck die Sozialversicherung eingeführt? – Aufklärung

Warum hat Bismarck die Sozialversicherung eingeführt

Bis Otto von Bismarck die Sozialgesetzgebung auf den Weg brachte, waren Arbeiter:innen auf die Wohltätigkeit der Familien und Kirchen angewiesen. Wer seinen Job verlor, musste andere um Hilfe bitten und das brachte langsam den Zorn der Arbeiter:innen gegen die Regierung auf. Kaiser Wilhelm I. wollte unter allen Umständen verhindern, dass der Teil des Volkes die kaiserliche Macht infrage stellte.

Wenig Widerstand gegen Einführung der Krankenkasse

Das erste Projekt, welches der Reichskanzler Bismarck vorstellte, war die Einführung der Krankenkassen. Dafür legte die Regierung fest, dass ein Drittel der Beiträge zulasten der Arbeitgeber gingen und zwei Drittel von den Arbeitnehmern übernommen werden müssen. Mit der Einführung gab es den wenigsten Widerstand, denn die Konservativen fürchteten, dass der Kaiser und Reichskanzler den Staat zu einem sozialen Wohlstaat umformen könnten. Dabei war die Sozialgesetzgebung von Bismarck nicht so sozial, wie viele vermuten würden. Denn der Reichskanzler fürchtete um seinen Posten, da unter der Führung von Wilhelm I. das Reich in einer tiefen wirtschaftlichen Krise steckte.

Überall schlossen immer wieder Betriebe, weil sie unter Auftragsmängel litten oder Kunden ihre Dienstleistungen nicht bezahlten. Immer mehr Arbeitnehmer:innen verloren ihren Job und landeten sprichwörtlich auf der Straße. Mit dem letzten Lohn kamen die Familien nicht lange hin und ab dem Zeitpunkt, wo das Geld ausging, mussten sie hoffen, dass Angehörige und die Kirchen ihnen etwas zu Essen gaben.

Otto von Bismarck verhindert Revolte

In den 1880er stand das Reich kurz vor dem Zusammenbruch, nur die Sozialgesetzgebung verhinderte den Zusammenbruch. Mit der dezentralen Krankenkasse waren Arbeiter:innen im Fall einer Krankheit oder eines Unfalls abgesichert. Sie konnten genesen und erhielten die dafür notwendige medizinische Versorgung, ohne eine weitere Mark hinzu zahlen zu müssen. Wäre der Druck auf die Regierung nicht ohnehin schon so groß gewesen, dann hätte sie vielleicht nicht verstanden, worum es den Menschen ging. Schließlich galt zu der Zeit noch das „Fleißprinzip„. Jeder, der sich nur gut anstrengen möge, werde auch belohnt. Doch nicht immer liegt es an dem Fleiß, sondern daran, dass die Wirtschaft nicht mehr florierte und die Perspektive wenig Hoffnung auf Besserung bestand.

Mit dem ersten Sozialgesetz wurde auch die Versicherungspflicht eingeführt. Die Betriebe konnten ihre Angestellten dazu verpflichten, sich einer Krankenkasse anzuschließen oder einzuschreiben. So wurden auch die Betriebe entlastet, die während einer Krankheit ihren Arbeiter:innen vorher stets ausgeholfen hatten, um ihnen die Genesung mit allen Mitteln zu ermöglichen.

Otto von Bismarck kaufte sich damit die Treue der Arbeiter:innen. Sie sollten ebenso wie Beamte an den Staat gebunden werden, den es noch einzuführen galt. Otto von Bismarck legte viel Wert darauf, die einzelnen Fürsten der deutschen Länder dazu zu bewegen, in ein Bündnis einzutreten. Dafür brauchte es eine gerechtere soziale Absicherung, denn die Unterschiede in den einzelnen Ländern waren groß. Die Folge wäre Abwanderung gewesen, wobei Schwache aus ärmeren Ländern in die reicheren Gebiete gezogen wären. Letztlich wurde das mit der Sozialgesetzgebung verhindert, denn die sollte alle Menschen in allen Ländern gleichermaßen absichern. Es gab also bezüglich der sozialen Absicherung keinen Grund abzuwandern. Dennoch taten das einige Bürger:innen, weil sie woanders eine bessere Tätigkeit erhielten.

Arbeitslosenversicherung wird eingeführt

Eine sehr viel größere Hürde war es, die Arbeitslosenversicherung einzuführen. Besonders die konservativen Kräfte im Reich stellten sich dagegen. Nur wer arbeite, habe ein Recht auf Bezahlung. Die Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbände protestierten, dass die meisten Arbeiter:innen nichts dafür könnten, wenn sie ihre Arbeit verlören. Schließlich liege das an der wirtschaftlichen Stabilität und die drohte immer mehr zu zerbrechen.

Otto von Bismarck konnte sich durch die Sozialgesetzgebung noch bis zum Ende des Jahrzehnts als Reichskanzler halten, ehe er aus dem Reichstag gejagt wurde. Mit der Arbeits- und Rentenversicherung hat er der Bundesrepublik ein wichtiges Instrument hinterlassen, von denen alle Bürger:innen in der heutigen Republik profitieren. Wer seine Arbeit verliert, hat einen Anspruch auf eine staatliche Sozialleistung, muss dafür aber gewisse Voraussetzungen erfüllen. Und im Alter muss niemand fürchten, ohne Absicherung bis zum Tode weiterzuleben. Mit der Mindestrente ist immerhin die Existenz gesichert, von einem menschenwürdigen Leben ist dabei keinesfalls zu sprechen.

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