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Warum hat Indien so viele Einwohner? – Aufklärung

Mit seinen fast 1,5 Milliarden Einwohnern gehört Indien zu dem zweit-bevölkerungsreichsten Staat der Welt. Bereits in einigen Jahren wird er höchstwahrscheinlich China überholen, da allein monatlich mehr als eine Million Menschen dazukommen. Doch was ist der Grund für die rasche Bevölkerungszunahme? Um diese Frage beantworten zu können, muss ein Blick auf die Geschichte Indiens geworfen werden.

Überfülltes Neu-Delhi

Gebäude, Menschenmassen und Autos so weit das Auge reicht. Grünflächen wie der „Lodi-Garden“ sind ein eher seltener Anblick, der von umso mehr Motorrädern, Tuk Tuks und Bussen ersetzt wird. Als ob das nicht schon genug wäre, kommen jeden Tag fast 1500 neue Autos hinzu, die zum zähen Verkehr beitragen. Kein Wunder, dass viele Einwohner lieber die U-Bahn nehmen, die an Modernität und Schnelligkeit kaum zu übertreffen ist. In puncto Freiraum muss sie jedoch einbüßen, weil pro Tag über zwei Millionen Menschen in die Verkehrsmittel einströmen und natürlich alle als Erste einsteigen wollen. Das Ausmaß an Fahrgästen, die verzweifelt versuchen, sich im letzten Moment noch einen Platz in der Bahn zu ergattern, wird immer größer. Der Wunsch nach Privatsphäre ist kaum realisierbar, denn wer eine Fahrt mit der U-Bahn wagt, sollte sich darauf einstellen, möglicherweise den Atem der anderen Fahrgäste ertragen zu müssen.

Versuch der Einwohner-Reduktion

Berechnungen haben ergeben, dass Indiens Population die von China in 10-15 Jahren überholen wird. Manche sehen den einzigen Weg einer Bevölkerungsreduktion darin, sich an China mit seiner ehemaligen Ein-Kind-Politik zu orientieren. Auch wenn es in Indien bisher noch kein solches Gesetz gab, musste das Land im letzten Jahrhundert ein Trauma miterleben: In der Politik wurde nämlich in den 1970-er Jahren unter Indira Gandhi der Ausnahmezustand ausgerufen. Sie war es, die einen scheinbar sinnvollen Beitrag zur Kontrolle der Familienplanung leisten wollte: die Zwangs-Sterilisation bei Männern. Mehrere Millionen Menschen haben damals ihre Fruchtbarkeit verloren, wurden von der Straße eingesammelt und zur Sterilisation gedrängt. Heute werden zwar nicht mehr so drastische Maßnahmen ergriffen, die Intention der Sterilisation ist allerdings gleich geblieben. Frauen als auch Männer werden beispielsweise mit Waffenscheinen und Chancen auf materiellen Hauptgewinn geködert.

Übersteigerte Familienplanung

Ein Viertel aller Inderinnen und Inder hat nicht einmal genug Nahrung zum Überleben – unter solchen Umständen ist es selbsterklärend, dass das Geld erst recht nicht für Verhütungsmittel ausreicht. Auch die kostenlosen Kondome, die über Jahre hinweg verteilt wurden, haben auch nicht ausgereicht. Sona Sharma von der „population foundation“ gab für das rasante Wachstum der Bevölkerung allerdings einen anderen Grund an: Laut ihm leben viele junge Menschen in Indien, die 70% des Wachstums ausmachen. Auch wenn sie nur ein bis zwei Kinder bekommen würden, wäre die Zunahme noch immer viel zu hoch.
In Entwicklungsländern wie diesen ist es üblich, mehrere Kinder zu bekommen. Einerseits wird aufgrund des schlechten Gesundheitssystems von vielen Familien angenommen, dass nicht alle überleben. Andererseits werden sie zum Zweck der Versorgung ihrer Eltern im Alter eingesetzt. Zudem ist das Aufziehen von Mädchen in Indien meist sehr kostspielig, da es Brauch ist, dass die Eltern der Braut die Hochzeit finanzieren. Aus diesem Grund sehen viele Paare ihre Familienplanung erst als abgeschlossen an, wenn sie mindestens ein bis zwei Jungen bekommen haben.

Die Hoffnung auf den Job

Die Überfüllung der Großstädte hat vor allem den Grund, dass sich die Menschen nach einer vernünftigen Anstellung sehnen. Am Land, wo viele Inderinnen und Inder unter anderem hart auf Zuckerrohr-Plantagen arbeiten, verdienen sie nicht sonderlich viel. Viele sehen deshalb die einzige Lösung darin, mit der gesamten Familie in die Stadt zu ziehen, wo sich sowohl das Gehalt als auch die Wohnverhältnisse meistens auch nicht bessern. In engen Hütten mit über einem Dutzend Mitbewohnern, umgeben mit Bergen von Müll und Abwässern, geht schließlich auch die letzte Hoffnung auf bessere Lebensqualität verloren. Darüber hinaus ist es trotz des zentraleren Standorts nicht jedem möglich, einen guten, geschweige denn überhaupt einen Job zu ergattern. Viele müssen mit wenigen Euro bei 12 Stunden Arbeit am Tag mit ihren Familien über die Runden kommen.

Aufschwung unter neuem Präsidenten?

Premierminister Modi äußert sich zur katastrophalen Lage Indiens folgendermaßen: Sein größtes Ziel ist es, dass alle Einwohnerinnen und Einwohner Indiens Zugang zu einer Toilette sowie einer angemessenen Unterkunft haben. Da dieses Ziel hoch angesetzt ist, bleibt abzuwarten, ob und wann es in die Tat umgesetzt wird.