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Warum hat Ungarn keinen Euro? – Aufklärung

Warum hat Ungarn keinen Euro

Ungarn als Mitglied der Europäischen Union hat zugestimmt den Euro als Währung einzuführen. Man wolle aber noch abwarten hieß es in den ersten Jahren, wie sich die Schuldenkrise in Europa entwickle, da viele andere Staaten aus Ost- und Südeuropa nach Ansicht der ungarischen Regierung zu früh eingeführt hätten. Das Risiko geht die ungarische Regierung nicht ein, weshalb die Euro-Einführung auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.

Forint – Ungarns schwache Währung

Es scheint ein Drama zu sein, aber der Forint erholt sich nicht. Bei einem durchschnittlichen Kurs von 320:1 gegenüber dem Euro ist die Währung verhältnismäßig schwach. Und dennoch weigert sich die ungarische Regierung, den Euro endlich einzuführen, was an ihrer Euro-Skepsis liegt. So ganz austreten möchte man nicht mehr aus der Europäischen Union, unter den aktuellen Bedingungen Teil der Gemeinschaft bleiben jedoch auch nicht. Die Regierung fordert Änderungen, eine Stärkung kleinerer und schwächerer Länder.

Die Europäische Union verweist auf die Korruption und Ausbeutung in Ungarn. Einerseits spiele die Regierung in Budapest häufig genug den Moralapostel und zeigt gerne auf andere, andererseits geht sie wichtige Reformen nicht an, die Teile der Bevölkerung benachteiligen. Das schade nicht nur dem Ansehen des Landes, sondern auch der Wirtschaft und damit der eigenen Währung.

Günstiger Aufenthalt in Ungarn

Schon mit einem niedrigen Einkommen außerhalb Ungarns können sich viele einen schönen und vor allem günstigen Urlaub in Ungarn leisten. Am Plattensee ist das Preisniveau gestiegen, ebenso in der Hauptstadt, wer aber die Landschaft Ungarns für sich entdeckt, bekommt einen exklusiven Urlaub zu einem günstigen Preis. Ein gut gefülltes Mittagessen für zwei Personen kostet in den Außengebieten rund zehn Euro, in den typischen Touristenorten gut sechs Euro mehr. Das lockt zwar Ausländer, allerdings führt das nicht zu einer gesunden Balance zwischen dem Warenpreis und der Entlohnung der Arbeiter. Noch immer flüchten viele aus Ungarn, machen sich auf den Weg in die Nachbarstaaten, um ein gutes Einkommen zu erzielen.

Alles ist jedoch nicht mehr so billig wie noch vor Jahren. Die Baubranche hat die Preise ordentlich angezogen, auch weil immer mehr ausländische Investoren in Immobilien investieren. Fliesenleger verdienen auf mitteleuropäischem Niveau, Elektriker auch und Immobilienmakler noch viel mehr. Der Kreislauf funktioniert und dennoch sind viele Projekte noch immer günstiger als in Deutschland, weshalb viele im Alter nach Ungarn abwandern.

Weigerung und Stimmung gegen EU

Ungarn gilt als das Sorgenkind in der Europäischen Union. Das wirkt sich auf die ungarische Währung aus. Um aus der Wirtschaftskrise herauszukommen, ist Ungarn noch immer auf Kredite angewiesen. Allerdings gibt es die nur mit einer Vielzahl an Auflagen und die Ungarn sind nicht bereit, diese zu erfüllen. Sobald die Tinte unter den Verträgen trocken ist, wird umgehend gegen die vereinbarten Klauseln Stimmung gemacht und die Europäische Union als „Ausbeuter“ der Südoststaaten gehandelt. Bei Skeptikern ein beliebtes Mittel, das gab es in Irland, Italien und Griechenland. Alle drei Staaten sind stabil, wenngleich in Italien der Schuldenstand subjektiv betrachtet extrem hoch ist.

Aber so einfach funktioniert der Finanzmarkt nicht, deshalb geht es nicht um den Schuldenstand, sondern um das Vermögen eines Staates. Ungarn möchte noch mehr investieren, auch um den Tourismus auszubauen und zu stärken, allerdings verschwinden Fördergelder in dunkle Kanäle. Korruption gehört in Budapest zum Alltag, die kleinen Händler nehmen sich nicht heraus und werten die Euromitgliedschaft ab. Das liegt unter anderem an der gezielten Desinformation der ungarischen Regierung, die mit Falschmeldungen ihre Nachrichten füttert. Vieles wird zensiert, die Informationsfreiheit beschnitten und das führt eben dazu, dass sich viele Ungarn gegen die Europäische Union stellen.

Sie hatten gehofft, dass mit dem EU-Beitritt der Wohlstand auch die im Land erreicht, die am wenigsten haben. Im Vergleich zu Polen hat sich Ungarn aber bewusst quergestellt und die Schuld immer von sich gewiesen. Während Polen zu einem Einwanderungsland für wohlhabende und mittelwohlhabende Bürger wurde, dabei ein Großteil der polnischen Arbeitskräfte nicht mehr auswandert, gehen viele Ungarn noch immer in andere Länder auf der Suche nach einem Job. Das senkt die Kaufkraft im Land, denn die, die im Ausland Geld verdienen kaufen nur bedingt in Ungarn ein, somit bleibt der größte Teil des Geldes in anderen Staaten, was die Währung weiter schwächt.

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