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Warum hat Polen keinen Euro? – Aufklärung

Seit 2004 ist Polen Mitglied der Europäischen Union. Das Beitrittsland hat sich in diesem Rahmen dazu verpflichtet, den Euro einzuführen. Allerdings hat die Europäische Union dafür kein Zeitlimit festgelegt und derzeit denkt die polnische Regierung nicht daran, die europäische Währung einzuführen. Dem Zloty geht es gut und damit auch dem polnischen Wirtschaftswachstum.

Der Ruf als Billigland

Deutsche, die in den 70er bis 90er Jahren des letzten Jahrhunderts an der polnischen Grenze wohnten, sind oft genug über die Grenze gefahren, um Zigaretten, Kaffee und andere Waren in den polnischen Warenhäusern oder auf dem Markt zu kaufen. Kleidung, selbst gute Markenkleidung, war einfach billiger. Und so wurden wenigstens die Grenzbeamten nicht beschäftigungslos, denn die hatten mit den Kontrollen ordentlich zu tun. Logisch, wenn in Deutschland einige Haushaltswaren und Güter des täglichen Bedarfs deutlich teurer sind, lohnt auch eine Autofahrt nach Polen, um am Ende bei einem Einkauf den gesamten Monat abzusichern.

Der Ruf als Billigland war für die Händler ein Segen, für den Ruf der Regierung weniger. Viele waren der Ansicht, dass Polen wirtschaftlich deutlich schwächer sei als andere Staaten in Europa. Vor allem an den Lohnzahlungen im mittleren und niedrigeren Sektor ließ sich erkennen, dass es nicht allen gut ging, nur weil die Menschen aus dem Ausland zum Einkaufen kamen. Irgendwie mussten die günstigen Preise gehalten werden und da wurde an den Löhnen und Gehältern gespart. Das vertrieb viele in die Nachbarstaaten.

Ständiges Mitglied der Europäischen Union

2002 wurde offiziell der Euro als europäische Einheitswährung eingeführt, das war der erste Schritt in Richtung eines gemeinsamen Europas, das auch Deutschland anfangs noch aktiv unterstütze. Heute scheint es so, als wolle nur noch die französische Regierung einen intensiveren Zusammenschluss der Europäischen Union. In dem Jahr war Polen noch kein Unions-Mitglied, weshalb auch der Euro als Währung nicht zur Debatte stand. Erst zwei Jahre später wurde der Beitritt ratifiziert. Die pikante Klausel: Polen verpflichtet sich wie alle anderen Beitrittsstaaten von 2004 zur Einführung der einheitlichen Währung Euro. Dabei verzichtete die EU aber darauf, einen genauen Zeitpunkt zu nennen oder eine zeitliche Obergrenze festzulegen.

18 Jahre später und es werden mit Sicherheit noch welche hinzukommen, hat Polen noch immer nicht den Euro eingeführt, weil es der Wirtschaft und dem Zloty viel zu gut geht. Die polnische Regierung betrachtet den Euro als eine Währung für „starke Staaten“ in der Europäischen Union. Obwohl die Regierung sich selbst als „stark“ erachtet, verzichtet sie weiterhin auf den Euro, weil für die neue polnische Wirtschaftsstärke der Zloty verantwortlich ist.

Gestärkte polnische Wirtschaft

Regierungen der vergangenen 20 Jahre mussten sich in Polen mit der Abwanderung ihrer Bürger auseinandersetzen. Die mittleren und niedrigeren Einkommen waren viel zu niedrig, allerdings war es den Unternehmen nicht zuzumuten, deutlich höhere Löhne und Gehälter zu zahlen, wenn das Preisniveau im Land auf dem niedrigen Stand bleibt wie noch im letzten Jahrhundert. Polen verbannte die Ramschwaren vom Markt, baute neue Fabriken oder förderten den Umbau und die Schaffung neuer Strukturen.

Mit dem stetigen Preisanstieg bleiben sehr viele Waren noch immer unter dem Preisniveau vieler Nachbarländer, jedoch war der Grenzübertritt für viele nicht mehr so reizvoll wie in den vergangenen Jahrzehnten. Die Löhne und Gehälter wurden schrittweise erhöht und somit entstand eine neue Kaufkraft im Staat. Die Mittelschicht wurde in die Lage, versetzt gute Elektrogeräte zu kaufen, die in Polen von namhaften Herstellern produziert werden. Reisen war nicht nur in der Nebensaison möglich, sondern jetzt konnten viele im Hochsommer nach Südeuropa, Asien oder Amerika fliegen. Kredite wurden wieder bedient und ein neues Sanierungskonzept für die Modernisierung von Immobilien auf den Weg gebracht.

Mithilfe von Fördergeldern der EU gelang es Polen, die Städte zu modernisieren, neue Triebwagen für den Tram-Verkehr anzuschaffen und ein gutes Mobilfunknetz auszubauen. Immobilien sind seit Jahren ein Verkaufsschlager für Zugewanderte in Polen mit einer finanziellen Rücklage. Immer mehr Ausländer interessieren sich für polnische Häuser und Wohnungen, um sich einen Alterssitz zu sichern. Wer in Deutschland keinen Job findet oder wem die Mieten zu hoch sind, ist mittlerweile bereit, einen guten Job in Polen anzunehmen, um dort im Wohlstand zu leben. Das stärkt den Zloty und der Euro kann in Polen noch warten, wobei viele Geschäfte den Euro als Zahlungsmittel der Tagesgäste akzeptieren.