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Warum ist Russland nicht in der EU? – Aufklärung

Das Verhältnis zwischen der EU und Russland ist immer wieder teil der Schlagzeilen. Und man könnte auf die Frage kommen, warum Russland nicht Teil der EU geworden ist. Was könnte der Grund sein?

Die Sowjetunion

Von 1917 an ging Russland zusammen mit anderen Ländern innerhalb der Sowjetunion einen ganz eigenen Weg. Das erste kommunistische Land der Welt und weltweit von den westlich-kapitalistischen Ländern isoliert und gefürchtet. Und das zog sich auch noch bis zum Ende der Sowjetunion im Jahre 1991 hin. Bis dahin war eine Mitgliedschaft in der EU ohnehin ausgeschlossen. Oder viel mehr in eine der Vorgängerorganisationen der heutigen EU. Demokratische und marktwirtschaftliche Systeme waren Vorschrift für eine Mitgliedschaft und auch die Todesstrafe durfte nicht für Straftaten vorgesehen sein. Damit war die Sowjetunion ausgeschlossen. Zumal es sich auch schon um eine Union handelte, streng von Moskau kontrolliert und gesteuert.

Das neue Russland

Das neue Russland hatte nach dem Ende der Sowjetunion alle Hände voll zu tun, eine Marktwirtschaft auf die Beine zu stellen und einen demokratischen Versuch zu starten. Aber es lief niemals so, wie man es sich im Westen erhofft und vorgestellt hat. Die Leute in Russland waren unzufrieden, einige wenige sammelten sich den Reichtum des Landes zusammen und an einem demokratischen Aufbau war irgendwann kein Politiker mehr ernsthaft interessiert. Auch die Todesstrafe war formell noch im Strafgesetzbuch vorgesehen, ebenso wie Straflager. Auch hier war die EU nie wirklich interessiert, Russland aufzunehmen.

Der Prozess einer Mitgliedschaft

Die EU ist kein Club, wo man einfach eintreten kann, eine Mitgliedkarte bekommt und dann einfach seine Beiträge zahlt. Man muss etwas an Anforderungen bringen, um überhaupt als Mitgliedskandidat geführt zu werden. Wie das oben erwähnte, keine Todesstrafe und rechtsstaatlich-demokratische Prinzipien. Und auch viele Gesetze müssen umgeschrieben, geändert, abgeschafft oder eingeführt werden, alles nach einem EU-Standard und das ist überaus langwierig und aufwendig und nicht immer beim Volk der Beitrittskandidaten beliebt.

Stolzes und riesiges Land

Die EU ist eine Union aus europäischen Ländern auf dem Kontinent Europa. Das mag logisch klingen, aber das wäre nicht mehr so, sobald Russland Mitglied wäre, denn dann wäre der Großteil der Fläche der EU auf dem asiatischen Kontinent, denn 3/4 von Russland liegt nicht in Europa. Schon das wäre schwierig zu erklären, wenn die EU auf einmal an Japan, Korea und China grenzen würde. Nicht zuletzt auch dem Pazifik und damit auch an die USA (Alaska).

Zudem versteht und verstand sich Russland schon immer als ein stolzes und eigenständiges Volk, das zwar auch europäisch ist, doch die asiatischen Einflüsse lassen sich nicht leugnen und werden auch nicht geleugnet. Deshalb hat es Russland immer vorgezogen, selbst zu existieren, ohne sich Brüssel in gewissen Fragen unterordnen zu müssen, denn wer in die EU eintritt, der wird es tun müssen.

Supermacht auf Abruf

Die Sowjetunion war eine Supermacht. Eine von zwei Supermächten und Anführer eines Blocks von Staaten. Russland sieht sich noch immer in dieser Rolle und es passt nicht zum Selbstverständnis einer Supermacht, sich einem Staatenbund unterzuordnen und deshalb Regeln von außerhalb akzeptieren zu müssen und sich auf eine Augenhöhe mit diesen anderen Mitgliedern stellen zu müssen.

Als Mitglied viel zu groß

Ein weiterer Grund warum Russland nicht in die EU kann, ist wahrscheinlich auch deren Größe. Ein so großes Land mit den ca. 150 Millionen Einwohnern hätte alleine mehr Macht in der EU als Deutschland und Frankreich zusammen. Russland könnte dann also bei wichtigen Entscheidungen und bei der Ausrichtung der EU massiv mitbestimmen und hätte sogar mehr Gewicht als die bisherigen Anführer der EU. Aus der Sicht der EU Staaten wäre das natürlich nicht annehmbar, zumal in Russland in den letzten Jahrzehnten keine echte Demokratie entstehen konnte.