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Warum ist Großbritannien aus der EU ausgetreten? – einfache Erklärung

Warum ist Großbritannien aus der EU ausgetreten

Am 31. Januar 2020 ist Großbritannien nach 47 Jahren aus der EU ausgetreten. Diesem folgenschweren Schritt liegen schwierige Verhandlungen und verschiedene Ursachen zugrunde.

Was ist die EU?

Die Europäische Union, kurz EU, ist ein Zusammenschluss mehrerer europäischer Staaten, die wirtschaftlich und politisch gemeinsame Ziele verfolgen. Teil der Mitgliedschaft in der Europäischen Union ist ein gemeinsamer Binnenmarkt, der einen reibungslosen und vor allem zollfreien Handel unter den einzelnen Mitgliedstaaten möglich macht.

Ein Austritt aus der EU war lange Zeit in den der Europäischen Union zugrunde liegenden Verträgen nicht erwähnt. Seit 2009 wurde mit dem Vertrag von Lissabon erstmals eine Regelung dahingehend getroffen. Gemäß Art. 50 EUV ist ein freiwilliger Austritt eines Mitgliedsstaates aus der Europäischen Union möglich. Notwendig ist allerdings, dass die künftigen Beziehungen mit der EU und ein Handelsabkommen vertraglich vereinbart werden.

Gespräche über einen Brexit

Der Brexit, so die Abkürzung für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union, hatte verschiedene Gründe. Es gab schon vor den offiziellen Bestrebungen und Gespräche zu einem Brexit viele Kritikpunkte an der Mitgliedschaft in der EU. Kritisiert wurden unter anderem der Einfluss der EU auf Handelsbeziehungen oder die Mitgliedsbeiträge zum EU-Budget. Wirklich ins Rollen gebracht wurde die Debatte schlussendlich durch die massive Zuwanderung nach der Flüchtlingskrise im Jahr 2015. Es gab Politiker, die der Überzeugung waren, dass die Zuwanderung ins Land nur durch ein Ausscheiden aus der Europäischen Union beendet und begrenzt werden könnte. Zudem versprach man sich von dem Austritt weniger ausbremsende Bürokratie und mehr Souveränität. Der Brexit sollte einen wirtschaftlichen Aufschwung und viele neue Jobs mit sich bringen.

Monatelang diskutierten Gegner und Befürworter des EU-Austritts öffentlich in Fernsehsendungen, in Zeitungen und in den sozialen Medien über Folgen und Konsequenzen.

Letztlich ausschlaggebend für den Volksentscheid über den Verbleib in der Europäischen Union, war David Cameron, der von 2010 bis 2016 Premierminister war und dessen konservative Partei 2015 einen Wahlsieg erreichte. Cameron sprach schon Jahre zuvor davon, neue Verhandlungen über die Beziehungen Großbritanniens und der EU führen zu wollen und das Volk in einem Referendum darüber abstimmen zu lassen.

Referendum

Die britische Bevölkerung konnte am 23. Juni 2016 in einem Referendum für oder gegen den Austritt aus der Europäischen Union abstimmen. Die Wähler entschieden sich mit einer knappen Mehrheit für den Austritt. Infolgedessen trat David Cameron als Premierminister zurück. Seine Nachfolgerin war Theresa May.

Verhandlungen über den Brexit

Nach dem Referendum wurden 2017 die Verhandlungen mit der Europäischen Union über den Austritt aufgenommen. Diese sollten lediglich zwei Jahre in Anspruch nehmen. Allerdings konnte die gesetzte Frist nicht eingehalten und musste mehrmals verlängert werden, denn die Verhandlungen verliefen nicht reibungslos. Eine Einigung war auf beiden Seiten lange nicht in Sicht.

Theresa May, damalige Premierministerin, einigte sich mit der EU Ende 2018 auf einen Austritt Großbritanniens bis März 2019. Doch das britische Unterhaus war mit den zugesprochenen Konditionen nicht einverstanden, sodass der Austritt wieder verschoben wurde.

Im Jahr 2019 trat Theresa May als Premierministerin zurück und Boris Johnson übernahm das Amt. Er strebte einen Brexit noch im selben Jahr an, doch das britische Unterhaus hielt mit einem Gesetz, das einen Austritt ohne Abkommen unmöglich machte, dagegen. Wieder folgte eine Fristverlängerung.
Im Dezember 2019 kam es zu einer Einigung. Somit stand endlich ein Datum fest und das Vereinigte Königreich trat am 31. Januar 2020 offiziell aus der EU aus.

Endgültiger Austritt und weitere Verhandlungen

Nach dem Austritt aus der EU bestand bis Ende 2020 eine Übergangsphase, die ermöglichte, dass Großbritannien Teil des Binnenmarktes und der Zollunion bleiben konnte.

Solange das Vereinigte Königreich ein EU-Mitgliedsstaat war, brauchte es für den Handel keine Zölle oder Kontrollen, denn wesentlicher Grundgedanke der EU ist ein gemeinsamer Binnenmarkt mit einheitlichen Warenstandards. Gäbe es keine Einigung mit den 27 verbliebenen EU-Staaten, wäre ein fehlendes Handelsabkommen die Folge. Dadurch wären alle bisherigen Verflechtungen und wirtschaftlichen Beziehungen zunichte, was zu Chaos und hohen finanziellen Einbußen führen würde.

Im Jahr 2020 erfolgten zahlreiche Verhandlungen, die erst zum Ende des Jahres zu einer Einigung führten. Am 01. Mai 2021 trat das neue Handels- und Kooperationsabkommen in Kraft und besiegelte endgültig den Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union.

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