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Warum hat Schweden keinen Euro? – Aufklärung

Schweden gehört seit dem 1. Januar 1995 zur EU und trotzdem ist die dortige Währung nicht der für Europa bekannte Euro, sondern es wird mit SEK bezahlt, mit der „schwedischen Krone“. Warum Schweden noch nicht auf den Euro umgestiegen ist, folgt gleich.

Schweden im Überblick

Schweden ist ein skandinavisches Land im Norden Europas. Mit einer Bevölkerungsdichte von zehn Millionen Einwohnern und somit 23,8 Einwohner pro Quadratkilometer gehört Schweden zu den dünn besiedelten Ländern Europas. Als Vergleich: In Deutschland sind es im Gegensatz rund 235 Einwohner pro Quadratkilometer! Schweden ist bekannt für die Polarlichter im Winter und die Mitternachtssonne und der reichen Vielfalt von Blumen, Wiesen und Heidelbeersträuchern. 53 Prozent der gesamten Fläche Schwedens ist purer Wald – also mehr als die Hälfte des gesamten Landes besteht aus Wald. Dort herrscht eine große Artenvielfalt, somit ist Schweden ein beliebter Urlaubsort und lockt viele Camper und Touristen an, die die unbestrittene und wilde Natur suchen. Jedoch müssen sich einige europäische Touristen erstmal gründlich erkundigen, denn die Währung in Schweden – trotz EU-Beitritts – ist die schwedische Krone.
Warum aber kein Euro?

Politik

Schweden ist eine konstitutionelle Monarchie, das heißt, dass die Aufgaben und Stellung des Königs in einer Verfassung festgelegt werden. Ja genau – Schweden ist noch ein Königreich, der amtierende König ist seit 15. September 1973 Carl XVI. Ähnlich wie ein Präsident ist hier der König das Staatsoberhaupt. Jedoch ist der König natürlich nicht alleiniger Herrscher – Schwedens Monarchie besitzt genauso ein System wie das politische System allgemein. Außerdem ist Schweden ebenfalls eine parlamentarische Demokratie mit einem Premierminister (einem Regierungschef), das heißt, dass das Parlament genau so an der Politik teilnimmt wie auch bei einem Präsidenten. Bloß, dass das Staatsoberhaupt in dem Fall als König betitelt wird.

Obwohl Schweden dazu verpflichtet war, den Euro nach EU-Beitritt einzuführen, befragte die Regierung das Volk, die Mehrheit stimmte gegen den Euro. Eine Umfrage von 2013 erschloss, dass bloß 9 Prozent der gesamten Bevölkerung für die Einführung des Euros wären.
Aufgrund dessen legte Schweden das Thema erstmal auf Eis.
Was zieht das aber für Folgen mit sich?

Die baldige Einführung des Euro lässt sich aber kaum verhindern, denn Schweden exportiert zwei Drittel seiner Waren in EU-Länder.
Die Wirtschaft drängt, jedoch müsste erst die parlamentarische Mehrheit für eine Währungsumstellung sein, um die Befugnis für den Euro zu gewährleisten.

Eurogegner

Gerade die sogenannte Arbeiterschicht Schwedens, also Geringverdiener und Leute mit schlechter Ausbildung wehrten sich am Stärksten dagegen. Unter anderem befürchteten sie, dass der Euro negative Auswirkungen auf das Einkommen haben könnte und das ganze System einbricht. Die Angst, dass die EZB, die Europäische Zentralbank, die Währungspolitik bevormunden würde, war zu groß. Somit wäre deren Einkommen nicht abgesichert, und geringere Einnahmen befänden sich im Rahmen der Möglichkeiten.

Schweden jedoch verpflichtete sich mit dem Beitritt der EU, den Euro einzuführen. Dennoch fühlte sich die Politik an das Ergebnis der Volksbefragung gebunden, denn die Mehrheit stimmte dagegen und somit weigerte sich das Land gegen den Euro. Wie lange diese Haltung von Brüssel toleriert werden, weiß man nicht – eine zeitliche Beschränkung gäbe es aber auch nicht.
Zusätzlicher Grund einer Weigerung kann die Wirtschaftskrise in der EU sein, denn in Schweden funktioniert das wirtschaftliche System mehr als hervorragend. Es versteht sich also, dass man nicht will, dass dieses gut erarbeitete System durch eine Währungsumstellung zusammenbricht und verheerende Folgen auf Wirtschaft und Finanzen hätte.

Der Lauf der Krone

Bereits 1873 vereinbarten Dänemark und Schweden die Einführung der skandinavischen Krone. Norwegen schloss sich vier Jahre später der gemeinsamen Währung an. Zu Zeiten des ersten Weltkrieges kam es zu größeren Wechselkursen zwischen der Krone und anderen EU-Mitgliedsländern. Die schwedische Krone hatte einen größeren Wert als die dänische und die norwegische, die schwedische also blieb über.
Deshalb wurde die skandinavische Währungsunion 1924 aufgelöst, jedoch behielten Norwegen, Dänemark und Schweden den Namen „Krone“ für deren jeweilige Währung.

Wann Schweden sich letztendlich dazu entscheidet, den Euro einzuführen, ist unbekannt. Das Währungssystem funktioniert, die Mehrheit ist immer noch dagegen – mit einer Einführung in baldiger Zukunft ist nicht zu rechnen.