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Was ist Demokratie & demokratisch? – Aufklärung

Winston Churchill beschrieb die Demokratie seiner Zeit als „die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen allen anderen.“

George Bernard Shaw sprach über sie als „ein Verfahren, das garantiert, dass wir nicht besser regiert werden, als wir es verdienen.“

Heute kennt zumindest den Begriff vermutlich jeder Erwachsene in der zivilisierten Welt.
Doch die demokratische Staatsform ist nicht in Stein gemeißelt. Sie hat verschiedene Gesichter und Ausprägungen, eine lange Geschichte und nicht in jeder Demokratie ist das drin, was drauf steht.

Was bedeutet Demokratie?

Der Begriff Demokratie setzt sich aus den Worten demos, für „Staatsvolk“, und kratos, für „Herrschaft, Macht, oder Gewalt“, zusammen. Daraus resultiert, dass demokratisch zu sein bedeutet, dass die Macht und Regierung in einem politischen System vom Volk ausgeht.

Was verwirren kann ist, dass Demokratien meist auch Republiken sind. Res publica bedeutet „öffentliche Sache“.
Gleichzeitig muss nicht jede Republik eine Demokratie sein. Selbst einige moderne Monarchien können demokratisch sein. So zum Beispiel in parlamentarischen Monarchien.

Was viele nicht wissen: nur ein Bruchteil aller Demokratien auf unserer Welt sind tatsächlich vollständige Demokratien. Der große Rest teilt sich auf in unvollständige Demokratien, so wie teildemokratische Systeme.

Die wesentlichen Merkmale der Demokratie

Viele Länder behaupten heute von sich, eine Demokratie zu sein. In der Vergangenheit beispielsweise bezeichnete sich die DDR als demokratisch. Selbst im dritten Reich wurde die Propaganda eines „wahrhaft demokratischen Staates“ verbreitet. Auch lassen sich gegenwärtig verschiedene Scheindemokratien finden. Diese lassen zwar Wahlen zu, jedoch steht keine demokratische Partei zur Wahl.

Die Kriterien, welche erfüllt sein müssen, um wirklich demokratisch zu herrschen, sind:
Ein Volk (Demos), welches kollektiv an politischen Entscheidungen partizipiert. Zum Beispiel in Form von Wahlen.
Dieses souveräne Volk ist gleichzeitig der Träger der Staatsgewalt und gestaltet sein politisches System, die verfassungsgebende Gewalt, unter anderem durch eine Verfassung.

Die Entscheidungsfindung bei politischen Themen erfolgt entweder direkt in Form eines Referendums, oder auf indirekte Weise über die Wahl von Stellvertretern, beispielsweise eines Parlamentes.

In solchen repräsentativen Demokratien akzeptiert das Volk, dass die gewählten Repräsentanten die politische Legitimität erhalten und dadurch die Interessen gewisser Minderheiten möglicherweise nicht vertreten werden.
Somit gibt es in demokratischen Wahlen immer Gewinner und Verlierer. Funktioniert das System, sind regelmäßiger Wechsel in der Regierung bei Bedarf leichter umzusetzen.

Andererseits finden sich auf der Welt viele Scheindemokratien, in denen das bestehende Regime nur schwer geändert, stattdessen häufig nur bestätigt werden kann. Hier sind Revolutionen häufig die einzige und letzte Lösung.
Ein wichtiges Merkmal in diesem Bezug ist das Mehrparteiensystem, so wie eine Opposition im Parlament.
Während es in einigen, wenigen Ländern direkte Demokratien gibt, in welcher das Volk ohne Zwischeninstanz, beispielsweise durch Abstimmungen entschieden kann, gibt es heute überwiegend repräsentative Demokratien.
Vor allem im westlichen Verständnis der Demokratie geht diese heute meist mit Formen der Rechtsstaatlichkeit einher.
Dazu zählen unter anderem die Garantie der Grundrechte jeder Person gegenüber des Staates, verschiedenen Gruppen und anderen Einzelpersonen. Weiter die Gewaltenteilung des regierenden Staates in die Exekutive, die ausführende Gewalt, die Legislative, die gesetzgebende Gewalt und die Judikative, die rechtsprechende Gewalt. Außerdem gilt Meinungs-, und Pressefreiheit.

Die Geschichte der Demokratie

Als Urväter der Auseinandersetzung mit dem Begriff der Demokratie gelten heute Platon und sein Schüler Aristoteles.
Beide haben dazu teilweise konträre Meinungen. Denn während ersterer eine Herrschaft der Intellektuellen und Experten befürwortet, beschäftigt sich sein Schüler mit der Integration aller Bürger bei der Entscheidungsfindung.
Gleichzeitig muss erwähnt werden, dass diese Demokratie aller Bürger bei weitem nicht alle Menschen beinhaltete. Sklaven, so wie Frauen war grundsätzlich ausgegrenzt.

Und schon damals war es nicht der einfache Mann, der sich politisch profilieren und partizipieren konnte. Meist waren es rhetorisch geschulte Adelige und Gelehrte, die sich charismatisch beweisen konnten. Diese Besonderheit hat sich über die Jahrhunderte und Jahrtausende bis in unsere Zeit getragen.

Nach längerem Bestand im antiken Athen und dem römischen Reich verschwand die Demokratie für eine lange Epoche aus dem politischen Gefüge des Weltgeschehens und wich meist religiösen und naturgegebenen Anschauungen.
Seine persönliche Renaissance fand die demokratische Staatsform im Zeitalter der Aufklärung. Durch die Aufklärung kam die Vernunft des Individuums wieder in den Vordergrund. Dies gab dem Menschen wieder die Macht zurück, aktiv an der Gestaltung öffentlicher Geschehnisse teilzunehmen. Dem Volk wurde mehr Mitspracherecht gewährt, eine Teilhabe am öffentlichen Leben war wieder möglich.

Im Zeitalter der Industrialisierung wurden Bürgerrechte, das Prinzip der Volkssouveränität und die Verfassung in Form gemeinsamer Verträge gefordert. Sie sollten staatliche Übergriffe vereiteln und mehr Sprachrecht in der politischen Gestaltung gewährleisten.

Nach zahlreichen Revolutionen in Europa und den USA kam es zu größeren Differenzen zwischen dem Volk und den Alleinherrschern, in dessen Folge teils grausame Maßnahmen angewandt wurden.
Aus diesen Entwicklungen entstanden mehr und mehr demokratische Entwicklungen, Menschenrechte, Verfassungen, Bürgerrechte und die Trennung von Staat und Kirche durch die Invention der Republik.

Nachdem die meisten Monarchien im 19. Jahrhundert durch Republiken abgelöst wurden, kamen neue Diskrepanzen auf. Durch die kapitalistische Ungleichheit des Wohlstands gab es erneut große Proteste, diesmal von Seiten der Arbeiterklasse.
Diese versprachen sich mehr Freiheit und Gleichheit durch die marxistische Theorie. So spaltete sich das Volk in die liberal-demokratischen und die kommunistischen Anhänger. Ein Teil eben jener bekannte sich doch ersteren und bildete die Strömung der Sozialdemokratie.

Im Faschismus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden trotz angeblicher Demokratien der Gehorsam einer Autorität und der Ausschluss vielen verschiedener Menschengruppen aus der Politik propagiert. Parlamentarismus wurde abgelehnt, in der nationalsozialistischen Ideologie fand diese Bewegung schließlich ihren bekanntermaßen grausamen Höhepunkt.
Diese wurde, unter anderem in Deutschland, erst nach Ende des zweiten Weltkriegs durch die Einführung des Grundgesetzes wieder in eine demokratische Form geführt.