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Evangelisch & katholisch – was sind die Unterschiede?

Auf den ersten Blick mögen die evangelische und die katholische Kirche mit ihren Symbolen, Traditionen und Vertreter*innen sehr ähnlich erscheinen – die Unterschiede sind jedoch größer, als manche glauben.

Geburtstag der Konfessionen

Die katholische Kirche betrachtet sich als „Urkirche“. Die ersten Christ*innen gab es bereits um 30 nach Christus, somit ist der Katholizismus über 2000 Jahre alt.

Im 15. Jahrhundert fand die Reformation durch Martin Luther statt. Er kritisierte die Lebensweise und den Ablasshandel katholischer Priester, schlug die 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg und leitete so die Abspaltung und den Geburtstag der evangelischen Kirche ein. Somit ist die evangelische die jüngere der beiden Kirchen.

Zelebrant*in und Seelsorger*in

Während in der katholischen Kirche ein Priester Gottesdienst mit den Gläubigen feiert, tut das in der evangelischen Kirche ein Pastor oder eine Pastorin. Ihre Lebensweisen unterscheiden sich grundlegend: Priester und Pfarrer leben zölibatär, Pastor*innen dürfen heiraten und Familie gründen. Das Amt eines Priesters ist nur Männern vorbehalten, Pastor*in sein dürfen auch Frauen. Die Meinung über diese Thematik geht in der Bevölkerung stets weit auseinander – es gibt oft laute Rufe nach Veränderungen im Katholizismus.

Symbolik von Brot und Wein

In der katholischen Messe wandelt der Priester Brot und Wein zu Leib und Blut Jesu Christi, im Evangelischen gibt es keine Wandlung. Brot und Wein symbolisieren zwar ebenso Leib und Blut, eine Wandlung findet aber nicht statt.

Oberhäupter der Konfessionen

Das Oberhaupt der katholischen Kirche ist der Papst mit seinem Sitz in Rom. Das gibt es in der evangelischen Kirche nicht, das höchste Amt hat der Superintendent inne.

Glaubensbuch – Wort Gottes

Die Bibel ist das Glaubensbuch beider Konfessionen. Laut Martin Luther ist die Bibel die einzige Quelle des Wortes Gottes. Zu dieser kommen im Katholizismus die alte römisch-katholische Tradition hinzu.

Messfeier und Kirchenraum

Die Messfeiern beider Kirchen unterscheiden sich formell: in der katholischen Kirche ist der Leib Christi Mittelpunkt der Messe, in der evangelischen Kirche steht das Wort Gottes an erster Stelle. Sehr unterschiedlich können auch die Gebetshäuser sein: viel Prunk und Gold in der katholischen, Schlichtes und Einfachheit in der evangelischen Kirche.

Anzahl der Sakramente

Während im Katholizismus sieben Sakramente zelebriert werden (Taufe, Eucharistie, Buße, Firmung, Ehe, Priesterweihe, Krankensalbung), kennt die evangelische Konfession lediglich zwei – Taufe und Eucharistie, auch Abendmahl genannt.

Marien- und Heiligenverehrung

Die Marienverehrung ist eines der wichtigsten Elemente im Katholischen. Maria, die Mutter von Jesus, wird als Jungfrau und Heilige Mutter aller Christ*innen verehrt. Das „Gegrüßet seist du, Maria“ und „Unter deinem Schutz und Schirm“ beispielsweise sind Gebete, mit denen sich Gläubige an die Gottesmutter wenden. Eine solche Verehrung Mariens kennt die evangelische Kirche nicht, hier ist Maria menschlich, nicht göttlich und wird nicht verehrt. Ebenso wenig nehmen andere Heilige einen wichtigen Stellenwert in der evangelischen Konfession ein – im Katholischen werden Heilige an Feiertagen verehrt.

Besondere Feiertage

Feiertage rund um das Jahr gibt es in beiden Konfessionen, auch die großen Feste werden gleichermaßen gefeiert. In der evangelischen Kirche gibt es zusätzlich den Reformationstag und den Karfreitag, die als Feiertag begangen werden. Durch die Marienverehrung feiert die katholische Kirche Marienfeiertage, wie zum Beispiel „Mariä Himmelfahrt“ oder „Mariä Empfängnis“

Ökumenische Hochzeit

Eine kirchliche Heirat zwischen zwei Personen unterschiedlicher Konfessionen ist möglich. Bei einem ökumenischen Gottesdienst wird das Paar verheiratet, schließlich gehören beide Parteien dem Christentum an und unterscheiden sich nicht grundsätzlich in ihrem Glauben. Bei einer solchen Hochzeit kann sowohl ein katholischer Priester, als auch ein evangelischer Pastor/ eine evangelische Pastor*in Zelebrant*in der Feier sein.

Möglichkeit des Konvertierens

Nach reiflicher Überlegung ist es Menschen möglich, ihre Konfession zu wechseln und zu konvertieren. Beispielsweise konvertieren oft katholische Christ*innen zur evangelischen Kirche. Dies passiert häufiger, da sich viele in der gegenüberstehenden Konfession verstandener fühlen, vor allem in ihrer Rolle als Frau. Aber auch der umgekehrte Weg ist keine Seltenheit.

Glaube als Mehrwert

Ob evangelisch oder katholisch – der Glaube hilft Menschen, Krisen zu überstehen, neue Kraft zu finden und Gemeinschaft zu erleben.

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