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Was ist Gentechnik? – Definition und Ziele

Was ist Gentechnik

Der Begriff Gentechnik ist für viele ein Reizthema. Kaum ein anderer wissenschaftlicher Bereich wird so kontrovers debattiert, schürt Ängste bei den einen und Zukunftshoffnung bei anderen. Doch lässt sich überhaupt klar Stellung beziehen? Inwieweit spielen gesellschaftliche und philosophische Erwägungen eine Rolle? Was ist machbar, was erlaubt? Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über Grundlagen, aktuelle Einsatzbereiche und mögliche Weiterentwicklungen von Gentechnik in Deutschland.

Biologische Basis: das Gen

Vom Einzeller bis zum Blauwal bestehen sämtliche Lebensformen aus einer spezifischen Anzahl von Zellen, in deren Kernen jeweils das komplette Erbgut des Trägers gespeichert ist. Es befindet sich dort in der DNA, die wiederum aus mehreren Chromosomen gebildet wird, welche ihrerseits aus bis zu Tausenden von Genen bestehen. Auf ihnen als kleinsten Erbgut-Einheiten lebender Organismen liegen jeweilige Einzelinformationen wie beispielsweise Augenfarben.

Sicher haben auch Sie bereits von den folgenden Fachtermini gehört:

  • Genetischer Fingerabdruck: bei jedem Lebewesen einzigartige DNA-Segmente
  • Universell gültiger genetischer Code: beim Großteil aller Lebewesen deckungsgleiche Gene
  • Fremd-Gene / transgener Organismus: Weitergabe von Genen an andere biologische Arten

Was genau ist Gentechnik?

Im kommenden Jahr feiert sie ihren 50. Geburtstag: 1973 gelang zwei US-amerikanischen Forschern erstmal die Übertragung einer Erbanlage auf einen anderen Organismus. Seitdem zählt die Gentechnik für viele zu den spannendsten Feldern der Biowissenschaft. Sie befasst sich mit der gezielten Veränderung von Informationen auf DNA-Strängen und kann diese sogar komplett neu nachbauen. Auch lassen sich Informationen auf Genen künstlich umschreiben, das Erbgut von Organismen beliebig verändern oder durch Mikroinjektion oder Vektoren Teile auf andere Lebewesen übertragen.

Sie können Ihr Kind im Reagenzglas erzeugen lassen und theoretisch angeben, ob Sie es brünett oder blond bevorzugen. Soll es Ihnen genetisch exakt gleichen, wäre es ein Klon. Das erste erfolgreich geklonte Säugetier kam 1995 mit Schaf Dolly zur Welt.

Hinweis: Im Gegensatz zur Gentechnik nutzt die diagnostische Biotechnologie  ausschließlich natürliche Mikroorganismen wie beispielsweise Hefe für die Bierproduktion. Gentechnische Veränderungen von Organismen finden nicht statt.

Ziele der Gentechnik

Noch lassen sich langfristige Effekte der jungen Wissenschaft nicht abschätzen. Fest steht jedoch, welche Folgen erwünscht sind. Sie lassen sich in die folgenden vier Kategorien gliedern:

Grüne Gentechnik

Die grüne Gentechnik umfasst Genmanipulationen bei Nutztieren und -pflanzen in der Landwirtschaft. In einigen Ländern wie den USA, Kanada oder Brasilien sind genmanipulierte Lebensmittel mittlerweile gang und gäbe. Zu ihnen zählen

  • Soja
  • Raps
  • Zuckerrüben
  • Kartoffeln

Innerhalb der EU ist einzig der kommerzielle Anbau von „Bt-Mais“ zugelassen. Das Bakterium „Bacillus thuringiensis“ ist für Menschen unschädlich, für Schädlinge jedoch giftig und soll den Einsatz alternativer Insektizide minimieren. Dennoch machen mit Spanien und Portugal nur zwei EU-Länder von der Erlaubnis Gebrauch. Nationale Verbote bestehen in insgesamt acht Ländern, darunter Deutschland und Frankreich.

Mit genetisch verändertem Soja werden primär Nutztiere gefüttert. Deren Erzeugnisse wie Fleisch oder Milch müssen nicht als Genprodukte ausgewiesen werden. Bei anderen gentechnischen Waren gilt eine europaweite Kennzeichnungspflicht. Hierzulande finden Sie aufgrund der hohen Skepsis von Konsumenten gegenüber genmanipulierten Lebensmitteln kaum entsprechende Produkthinweise.

Rote Gentechnik

Genmanipulationen bei Tieren werden auch für medizinische Zwecke durchgeführt. Sie fallen unter die rote Gentechnik und damit in die Gesundheitsbranche:

  • Herstellung von Medikamenten
  • Diagnosen und Therapien
  • Ermittlung von Krankheiten

Aktuell (Stand: April 2022) werden in Deutschland gut 100 Wirkstoffe aus der Gentechnik in über 130 Arzneimitteln verwendet.

Weiße Gentechnik

Die industrielle Nutzung veränderter Mikroorganismen mit dem Ziel effizienter Produktionsprozesse und Produkte gilt als weiße Gentechnik. Eingesetzt wird sie in der

  • Ernährungswirtschaft
  • Mikrobiologie
  • Umweltschutztechnik
  • Chemie-, Pharmabranche
  • Textil-, Zellstoffherstellung
  • Energieversorgung

Überschneidungen zeigen sich mit der grauen Gentechnik:

Graue Gentechnik

Hier liegt der Fokus auf Nachhaltigkeit. Durch gezielte Einsätze genveränderter Zellkulturen lassen sich Müllberge reduzieren, Abwässer reinigen oder fossile durch biologische Rohstoffe ersetzen. Aufgrund der hohen Sicherheitsanforderungen und dem enormen Haftungsrisiko bei der Verwendung gentechnisch veränderter Organismen entscheiden sich jedoch viele Unternehmen noch immer für den alternativen Einsatz natürlicher Mikroorganismen.

Gesetzliche Grundlagen

1990 wurde in Deutschland das Gesetz zur Regelung der Gentechnik mit Begriffsdefinitionen sowie Abschnitten zu Haftung und Strafbarkeiten verabschiedet. Sein Fokus liegt auf der Balance zwischen wissenschaftlichen und technischen Fortschritten zugunsten der Allgemeinheit und dem gleichzeitigen Schutz von Mensch und Umwelt vor möglichen Gefahren der Gentechnik.

Weitere Paragrafen zur Haftung bei durch Gentechnik verursachte Schäden enthält das “Gesetz zur Neuordnung des Gentechnikrechts”. Es wurde 2004 im Zuge der Umsetzung verbindlicher EU-Vorschriften erlassen.

Im Einzelnen wird das Gentechnikgesetz durch folgende Verordnungen spezifiziert:

  • Gentechnik-Sicherheitsverordnung
  • Gentechnik-Verfahrensverordnung
  • Gentechnik-Aufzeichnungsverordnung
  • Gentechnik-Anhörungsverordnung
  • Gentechnik-Notfallverordnung
  • Gentechnik-Pflanzenerzeugungsverordnung
  • Gentechnik-Beteiligungsverordnung
  • Verordnung über die Zentrale Kommission für die Biologische Sicherheit

Weitere Information zum Thema finden Sie im kostenfreien Ratgeberportal https://www.bussgeldkatalog.org/gentechnik/.

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