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Intensivierung der Landwirtschaft: Folgen, Vor & Nachteile

Intensivierung der Landwirtschaft

Seit jeher sind Lebensweise und Ernährungsgewohnheiten der Menschheit von einem strukturellen Wandel gekennzeichnet. Begonnen als Jäger und Sammler entwickelte sich die Menschheit weg vom Nomadentum hin zur Sesshaftigkeit. Dies wäre ohne die Bewirtschaftung der Böden nicht möglich gewesen. Heute versorgt die moderne Landwirtschaft täglich Milliarden Menschen mit Nahrung und trägt zu einem Großteil zu unserem heutigen Wohlstand bei.

Dabei hat unsere heutige Landwirtschaft wenig mit der Landwirtschaft vor der industriellen Revolution zu tun. Die Anbaumethoden haben sich verändert: Moderne Landmaschinen machen Landwirtschaft in einem anderen Ausmaß möglich und eine steigende Weltbevölkerung mit veränderten Nahrungsgewohnheiten hat zu einer veränderten Landwirtschaft geführt und führt heute noch zu Veränderungen.

Die intensive Landwirtschaft hat das Ziel einen möglichst großen Ertrag pro Fläche, beziehungsweise pro Tier zu erwirtschaften und verfolgt dieses Ziel durch den Einsatz moderner Agrartechniken. Darunter zählen, neben einem modernen Maschinenpark und der eigenen Arbeitskraft, der Einsatz von Pestiziden, Bioziden und modernem Saatgut, das teilweise genetisch verändert ist.

Vorteile einer intensivierten Landwirtschaft

Dieser Einsatz führt gegenüber zur nicht intensiven Landwirtschaft zu einem höheren Ertrag pro Fläche und damit zu einem höheren Gewinn mit weniger Aufwand für die Landwirte. Somit kann eine intensivierte Landwirtschaft mehr Menschen mit weniger Fläche ernähren als eine extensive Landwirtschaft. Insbesondere in Regionen mit vielen Menschen und wenig Anbaufläche wirkt sich das positiv auf die regionale Ernährungssicherheit aus. Durch den Einsatz der Pestizide werden Schädlinge von den Pflanzen abgehalten. Dadurch werden Ernteausfälle durch Schädlinge vermieden und die Landwirte haben eine höhere Planungssicherheit.

Weiterhin kann der Einsatz von Pestiziden und chemischem Dünger eine gleichleibende Qualität sichern, da der Pflanze viele Nährstoffe zur Verfügung stehen und sie vor Schädlingen weitgehend geschützt ist. Kurzfristig bringt dies erst einmal einige Vorteile für die Landwirte und schlussendlich für die Konsumenten.

Langfristig gesehen kann eine intensivierte Landwirtschaft mit all ihren Methoden jedoch zu weitreichenden negativen Folgen führen, die nicht zu unterschätzen sind.

Nachteile einer intensivierten Landwirtschaft

Eine intensivierte Landwirtschaft geht mit einem Rückgang der Artenvielfalt, im Fachkontext auch Biodiversität genannt, einher. Der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden, wie er in der intensivierten Landwirtschaft so gut wie immer vorkommt, wirkt nicht nur auf Schädlinge abschreckend und giftig, sondern auch auf nützliche Insekten. Zu diesen nützlichen Insekten zählen beispielsweise Bienen, deren dramatischer Rückgang unter anderem auf die eingesetzten Pflanzenschutzmittel zurückzuführen ist.

Weiterhin setzt die intensivierte Landwirtschaft oftmals auf Monokulturen. Um Platz zu schaffen müssen dafür häufig andere Ökosysteme weichen. Im schlimmsten Fall sind dies artenreiche Ökosysteme, wie beispielsweise der tropische Regenwälder, welcher seit Jahrzehnten unter anderem für die Gewinnung von Palmölplantagen abgeholzt wird. Dies führt zum Rückgang vieler Arten, da ihnen der natürliche Lebensraum und gleichzeitig der Rückzugsort genommen wird. Der Mensch dringt immer weiter in die Ökosysteme vor und dies ist zu einem Teil der intensivierten Landwirtschaft geschuldet.

Der hohe Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Dünger im Allgemeinen bleibt weiterhin nicht ohne Auswirkung auf Wasser und Boden. So werden in Deutschland immer häufiger die Grenzwerte für Nitrat im Grundwasser überschritten. Dies tritt gehäuft in Regionen auf, in denen intensive Landwirtschaft betrieben wird.

Intensive Formen der Landwirtschaft setzten oftmals auf den mehrmaligen Anbau einer Kulturpflanze auf den Äckern. So wird beispielsweise über mehrere Jahre auf einem Acker nur Mais angebaut, welcher später als Viehfutter verwendet wird. Durch die einseitige Bewirtschaftung wird der Boden ausgelaugt. Als Folge nimmt der Humusgehalt im Boden ab. Die Kombination aus einseitiger Bewirtschaftung und der Befahrung des Bodens durch schwere Landmaschinen, führt zu immer häufigerer Bodenerosion. Als Bodenerosion wird die Abtragung fruchtbarer Erde durch Wind und Wasser bezeichnet. Dies ist ein natürlicher Vorgang, der durch die intensive Landwirtschaft jedoch beschleunigt wird. In Folge dessen werden Böden unfruchtbarer und sind irgendwann nicht mehr als Anbaufläche nutzbar.

Intensivierte Landwirtschaft: Fazit

Die intensivierte Landwirtschaft geht mit hohen Erträgen einher, für die jedoch ein hoher Preis bezahlt werden muss. Eine immer stärker abnehmende Artenvielfalt, nitratbelastetes Grundwasser und unfruchtbare Böden sind als langfristige Folgen der intensivierten Landwirtschaft nicht zu vernachlässigen.

Die Alternativen zur intensivierten Landwirtschaft liegen im Biolandbau und in einer Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur wirtschaftet, ohne die Böden und Anbauflächen auf Dauer auszulaugen. Dies könnte jedoch in einigen Gebieten die Nahrungssicherheit negativ beeinflussen und bestimmte Länder abhängiger von Importen machen.

Bei der Betrachtung darf nicht außer Acht gelassen werden, dass ein nicht geringer Teil der Anbaufläche für den Anbau von Viehfutter aufgewendet wird. Ein geringerer Fleischkonsum würde somit weniger Fläche beanspruchen und die Möglichkeit für mehr extensive Landwirtschaft schaffen. Mit weniger Verschwendung und einem geringeren Fleischkonsum wäre trotz wachsender Weltbevölkerung ein Wechsel zur biologischen Landwirtschaft möglich.