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Warum sind Gletscher wichtig für die Erde & das Klima? – Aufklärung

Klimawandel begünstigt Gletscherrückzug und das Gletschersterben

Imposant, faszinierend, mächtig und ökologisch wertvoll; diese Attribute zeichnen Gletscher aus. In ihrer Eigenschaft als gigantische Wasserspeicher fungieren sie als Hauptquellorte für zahlreiche Gewässer wie etwa Donau und Rhein. Parallel dazu dienen sie als wertvolle Trinkwasserreservoirs und gelten als aussagekräftige Indikatoren für den Klimawandel, weshalb Experten sie als “ Klimazeiger“ titulieren. Gemäß wissenschaftlicher Definition sind ganzjährige Eisflächen mit einer Ausdehnung in Höhe von mindestens 0,1 Quadratkilometern als Gletscher zu klassifizieren.

Das Abschmelzen der Alpengletscher ist exakt dokumentiert. Laut Einschätzung renommierter Wissenschaftler findet sich in den Regionen der österreichischen Ostalpen tatsächlich kein Gletscher, der in Verbindung mit aktuellen Klimabedingungen überlebensfähig ist. Nach Aussagen von Gletscherforschern ziehen sich die Gletscher im österreichischen Gebiet um rund 15 m je Kalenderjahr zurück. In der Zeitspanne zwischen 1850 und 2020 haben die Alpengletscher in der Summe mehr als 60% ihres ursprünglichen Eigenvolumens eingebüßt.

In der Himalaya- Region führt die Gletscherschmelze zu einem permanenten Zuwachs der gletscherseeeigenen Wasserpegel, die eine dauerhafte Bedrohung für umliegende Dörfer, Siedelungen und Täler in Form von Überschwemmungen darstellen. Im weltweiten Vergleich zählen die Gletscherflächen Patagoniens, die in Argentinien und Chile angesiedelt sind, zu den Eismassen, die vergleichsweise am schnellsten abschmelzen bzw. verschwinden. Im Zeitfenster zwischen den Kalenderjahren 1997 und 2004 verloren die zugehörigen Gletscherflächen jährlich rund 42 Kubikkilometer Eismasse. Das Gletschersterben der patagonischen Gletscher trägt zu einer ausgeprägten Erhöhung des Meerwasserspiegels bei und minimiert die Menge an verfügbarem Trinkwasser und steigert die Wahrscheinlichkeit für Wasserdefizite.

Klimawandel und Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur befeuern gefährliche Phänomene …

Im Zuge des Klimawandels und dem damit einhergehenden globalem Temperaturanstieg sowie der anhaltenden Erwärmung des Gletscheruntergrunds verschwinden zunehmend Gletscherflächen, was negative Konsequenzen für Ökologie, Wasserhaushalt und Wirtschaft forciert. Das Abschmelzen der Gletscher reduziert die Grundmasse des Eisstroms, der für die anhaltende Druckregulation auf Gebirgszüge, Hänge und Bergflanken verantwortlich ist und die Gletscherblöcke, die sich fortwährend in dynamischer Bewegung befinden, zielgerichtet stabilisiert. Dieser Prozess forciert die Instabilität der Hangflanken und begünstigt ein Abrutschen der Gletschermassen gen Tal.

In der Folge steigt die Wahrscheinlichkeit für Hangrutsch, Murgang, Gletscherhochwasser, Gerölllawinen und Felsstürze im Bereich der betroffenen Territorien signifikant an und macht Gletscher regional unsicher. Das Auftauen der Permafrostböden befeuert diesen Mechanismus zusätzlich und reduziert die jeweilige Stabilität der einzelnen Hänge maßgeblich.

Schmelzwasserflüsse bzw. Gletscherflüsse binden effektiv CO2 und entziehenden den Luftmassen Treibhausgas. Exemplarisches Beispiel hierfür ist etwa der hocharktische See Lake Hazen, den insgesamt 11 Gletscherflüsse speisen. Forschungen eines Wissenschaftsteams der University of Alberta belegen, dass die Gletscherflüsse rund um den Lake Hazen im Schnitt 1000 Tonnen CO2 pro Jahr absorbieren. In Relation zum Amazonas- Gebiet filterte das Lake Hazen- Territorium im Kalenderjahr 2015 rund 40mal mehr Treibhausgas aus der Atmosphäre. Verantwortlich hierfür sind chemische Prozesse, die die spezifischen Verwitterungsreaktionen in den Schmelzwasserflüssen prägen. Im Zuge dessen absorbieren die Gewässer CO2 aus Atmosphäre bzw. Luft und binden das umweltschädliche Klimagas in Form von Ionen, Siliziumverbindungen und anorganischem Kohlenstoff. Verschwinden die Gletscher im Zuge der anhaltenden Erderwärmung, verebben nachhaltig die von den Gletschern ausgehenden Schmelzwasserflüsse und hebeln diese effektive CO2- Senke aus.

Der Gletscherrückzug und die damit einhergehende Minimierung der verfügbaren Wasserquellen, forciert im Bereich der Alpen zudem negative Konsequenzen für die europäische Binnenschifffahrt. Da die Alpengletscher eine Vielzahl an europäischen Flüssen speisen, verwandeln sich zukünftig mannigfaltige Gewässer für die Binnenschifffahrt in potentiell un- bzw. schwer befahrbare und passierbare Gewässer.

Extremwetterereignisse sind im Alpenraum an katastrophale Konsequenzen gekoppelt. Demzufolge steigern Wetterphänomene wie ein schneller Wechsel zwischen Winddrift, starken Schneefällen und kalt und warm das Risiko für Riesenlawinen.

Klimawandel heizt das Artensterben an und destabilisiert wertvolle Ökosysteme

Der Klimawandel beschneidet zudem maßgeblich die Artenvielfalt im Bereich von Gebirgen. Als Reaktion auf die anhaltende Erderwärmung lässt sich ein Aufstieg bzw. ein Heraufwandern der alpinen Bergflora beobachten. Während konkurrenzstarke Spezies nach oben aufsteigen, entpuppt sich der Klimawandel als Gefahr für die objektiv hochangepasste Hochgebirgsflora, die nicht mit ausreichenden Modifikationen auf die sich stetig verändernden Klimabedingungen reagieren und in die Höhe ausweichen kann. Erreichen die unterschiedlichen Arten den jeweiligen Berggipfel, ist kein weiteres Ausweichen der einzelnen Spezies gen Höhe möglich, sodass entsprechende Tiere und Pflanzen im jeweiligen Gebiet aussterben.

Wetterextreme, die auf den Klimawandel zurückzuführen sind, fördern zudem die Destabilisierung existierender Waldökosysteme und intensivieren diesbezüglich bestehende Schäden. Sowohl Luftschadstoffe als auch Treibhausgase tragen zu ausgeprägten Sturmwürfen und zur Massenvermehrung potentiell für Bergwälder schädlicher Insekten bei. Als Reaktion darauf sinkt die Gesamtfläche der bestehenden Bergwälder, was das Risiko für Erosionsprozesse am Berg, Murenabgang, Lawinen, Felsstürze, Hangrutschungen, Steinschlag und Hochwasser erhöht. Dies ist an ein extremes Gefahrenpotential für Bergsportler gekoppelt.