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Warum hat China nur eine Zeitzone? – Aufklärung

Wer die Landesgrenze von Schweden nach Finnland überquert, muss die Uhr um eine Stunde vorstellen, denn Finnland liegt in der östlichen Zeitzone und nicht in der MEZ. Bei einer West-Ost-Ausdehnung von mehr als 5.200 Kilometer sollte man meinen, dass mehrere Zeiten existieren. Fehlanzeige, in China ticken die Uhren anders.

Fünf Zeitzonen, die irgendwie nicht funktionieren

Damit die Sonne in allen Teilen des Landes um die Mittagszeit am höchsten steht, wurden 1912 in China fünf Zeitzonen eingeführt. Auch die Sommerzeit war für eine sehr kurze Zeit eingeführt worden, allerdings hielten sich sehr viele Provinzen nicht an der Vorgabe und so wurde die Sommerzeit kurze Zeit später wieder abgeschafft. Warum aber schaffte China alle fünf Zeitzonen 1949 wieder ab?

Viele Chinesen erklären das damit, dass in den meisten Gebieten des riesigen Staates die Menschen keine Uhren besitzen. Sie hören aber Radio und dort wird mehrmals täglich die Uhrzeit angesagt. Der Staat kennt aber nur die „Peking-Time„, weshalb alle Uhren nach dieser Uhrzeit eingestellt sind. Ob ganz im Westen, Osten, Süden oder entgegengesetzt im Norden, die Uhren ticken in einer Zeitzone. Es soll in den Provinzen Menschen geben, die nicht wissen, dass es weltweit mehrere Zeitzonen gibt. Sie gehen wohl davon aus, dass die gesamte Welt nach der Uhrzeit Peking läuft. Niemand hat sich für die verschiedenen Zeitzonen interessiert, denn das, was in Peking geschah, war das einzig Richtige und wurde nicht infrage gestellt.

Wenn die Sonne erst am späten Vormittag aufgeht

Im Osten geht die Sonne auf„, das stimmt auch in China. „Im Süden nimmt sie ihren Lauf„, auch das stimmt in China. „Im Westen wird sie untergehen„, wird sie auch in China. „Im Norden ist sie fast nie zu sehen„, jedenfalls nicht dann, wann sie sollte. In einigen Provinzen geht die Sonne erst am späten Vormittag auf und erst gegen Mitternacht wieder unter. Für viele ist das eine Belastung. Sie stehen auf in der Dunkelheit, machen sich wie alle anderen Pendler auf den Weg zur Arbeit und das inmitten der Dunkelheit. Andere hingegen profitieren in den frühen Morgenstunden bereits vom Tageslicht, sind aber verstimmt, dass sie bereits am späten Nachmittag in ihrer Freizeit kein Tageslicht mehr haben.

Immer wieder klagen Beschäftigte über Müdigkeit, einen unausgeglichenen mentalen Körperhaushalt und die Arbeitgeber sind zunehmend frustrierter. Einige Provinzen des Staates haben deshalb angefangen, die Zeiten nach dem Tageslicht anzupassen. Offiziell bleibt die „Peking-Zeit“ bestehen, jedoch müssen die Menschen nicht wie alle anderen bereits um 7.00 oder 8.00 Uhr im Büro sitzen, sondern zwei Stunden später. Das geht aber nicht in allen Branchen so, weil viele Prozesse provinzübergreifend abgewickelt werden und es quasi zu einem Zeitzonenwechsel kommt, wenn ein Unternehmen aus den Nachbarprovinzen nicht erreichbar ist, weil er Betrieb aufgrund der Dunkelheit erst zwei Stunden später beginnt.

Kurswechsel der Regierung nicht zu erwarten

Peking sieht sich als die zentrale Macht des Staates. Abtrünnige Provinzen, die ihre eigenen Regelungen aufstellen, sind ungern gesehen und werden mit allen Mitteln bekämpft. Alle haben sich dem System unterzuordnen, das gilt auch für die Zeit. Ungeachtet dessen, dass mit mehreren Zeitzonen das Gesundheitsproblem gesenkt werden könnte, sagt die Regierung seit der Einführung der einheitlichen Zeitzone, dass ein Staat nur eine Zeitzone benötige. Zentral regieren, zentrale Zeit, zentrale Informationen – so stellt sich China seine Lebensweise vor und wer nicht mitzieht, erhält Minuspunkte.

Anträge schaden dem Ansehen, davon wissen viele zu berichten. Wer auf sich schaut, wird nicht wagen, die Stimme gegen Peking zu erheben. Mit dem Punktesystem wird jeder Bürger in China bewertet. Wiedersetzungen gegen staatliche Vorschriften werden mit negativen Punkten oder Punktabzügen geahndet. Ist der Score niedrig, wirkt sich das bei der Bewerbung eines Jobs aus. Der muss ebenso fürchten, dass die Bank bestehende Kredite sofort kündigt und die Schulden in Gänze fällig werden. Neue Kredite gibt es nicht, denn wer einmal als Querulant eingestuft wird, muss viel Gutes tun, um sich von dem Status zu lösen. Und so bleibt es beim Willen der chinesischen Regierung, dass ganz China in einer Zeitzone verwaltet wird.