Startseite » Wetter, Klima & Klimawandel » Warum furzet & rülpset ihr nicht? – Erklärung der Redewendung

Warum furzet & rülpset ihr nicht? – Erklärung der Redewendung

„Warum rülpest und furzet ihr nicht?“ – ein altes Zitat, welches auf den ersten Blick etwas seltsam erscheint.
Doch so unkonventionell, wie es sich auch anhören mag, hinter diesem Zitat steckt viel Geschichte und einige ungeklärte Legenden.

Klären wir erst einmal auf, welche Bedeutung hinter dieser Frage steckt: Stellen Sie sich vor, Sie und ein paar Freunde würden im Mittelalter gemeinsam eine köstliche Mahlzeit zu sich nehmen. Nach dem Essen wäre es nicht unwahrscheinlich gewesen, dass im Mittelalter einer Ihrer Freunde gesagt hätte: „Warum rülpest und furzet ihr nicht?“

An dieser simplen Situation kann man sich nun schon vorstellen, welche Bedeutung die Redewendung hat: Es geht um Essen.
Doch natürlich geht es nicht nur um Essen an sich. Es geht auch um Manieren am Tisch, genauer gesagt, um das „außer Acht lassen von Manieren“.

Zwar herrschten bereits zur damaligen Zeit, besonders in adligen Kreisen, ähnliche Tischmanieren wie heute, doch manchmal muss man eben seinen Genuss zum Ausdruck bringen. Und welcher Koch freut sich nicht, wenn seinen Gästen das Essen gut schmeckt? Da gibt es wohl keinen besseren Weg des Ausdrucks als über die natürlichen Körpergeräusche des Menschen nach dem Essen :-).

Okay, aber woher stammt dieses Zitat überhaupt?

Schon bei dieser Frage fangen die Spekulationen an. Die Redewendung ist schon vor ein paar Hundert Jahren gängig gewesen und dem Ursprung wurde nie wirklich nachgegangen.
Es ist weit akzeptiert, dass das Zitat seinen Ursprung bei dem Reformator Martin Luther im 16. Jahrhundert findet. Beweise dafür existieren nicht.
Luther hätte fast täglich Gäste zum Essen bei sich gehabt. Das lief vermutlich ungefähr so ab: Die Gäste, darunter Freunde, Studenten oder Geistige, wurden begrüßt und setzten sich. Luthers Frau Katharina von Bora bereitete die Mahlzeit vor und servierte sie den Gästen. Während des Essens wurde geschwiegen. Nach dem Essen versammelten sich alle in der „Lutherstube“. Dort begrüßte Luther seine Mitmenschen und fragte nach Neuigkeiten, um eine Diskussionsrunde zu beginnen. Gewöhnlicherweise fingen die Älteren und Vertrauten an zu reden und Luther steuerte die Gespräche nach eigenem Ermessen in die gewünschte Richtung.

Diese Diskussionen seien sehr besonders gewesen, denn es wurde viel philosophiert, es wurden scharfsinnige Diskussionen geführt, doch es wurde auch der ein oder andere humorvolle Spruch eingebracht.
Studenten machten sich Notizen, aus denen später „Tischreden“ entstanden sind. Diese Tischreden wurden dokumentiert und erfasst, später sind sogar Bücher darüber veröffentlicht worden.
Über Luthers Tischrunden existieren viele ungeklärte Erzählungen. Bis heute stellen Begeisterte diese in Theaterauftritten nach.

Und bei eben einer dieser Diskussionen soll Luther dann den berühmten Satz gesagt haben:

„Warum rülpest und furzet ihr nicht? Hat es euch nicht geschmecket?“

Wie gesagt: ob das wirklich stimmt, lässt sich heute nicht mehr beweisen, doch der Gedanke, dass diese Redewendung nicht von wilden Vielfraßen, wie man vielleicht auf den ersten Blick denken mag, sondern von einem scharfsinnigen Denker stammt, gibt dem Ganzen eine völlig andere Bedeutung.

Überraschenderweise ist es kein Zufall, dass ausgerechnet Martin Luther dieses Zitat zugeschrieben wird.
Er soll außerdem gesagt haben:

  • Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz.
  • Oder: „Pfaffen sollen beten und nicht regieren.

Sobald man über diese Legenden von Luthers Tischrunden Bescheid weiß, hätte es dem Geiste sicherlich nicht geschadet, mal selbst dabei gewesen zu sein.

In dem Sinne: Lassen Sie es sich heute mal so richtig schmecken.